Berlin : Großflughafen Schönefeld: Bereits vor der Freigabe auf dem teuren Weg zur Startbahn

Klaus Kurpjuweit

Für den geplanten Ausbau Schönefelds zum Flughafen Berlin-Brandenburg International (BBI) muss die Flughafengesellschaft schon jetzt den Start vorbereiten, obwohl die Erlaubnis dazu frühestens 2003 erteilt werden wird. Denn schon jetzt müssen weitere Grundstücke gekauft und die Planung vorangetrieben werden. Die Flughafengesellschaft benötigt deshalb in diesem Jahr rund 166 Millionen Mark. Den Bedarf gibt sie inzwischen in Euro an, dann "beschränkt" sich die Summe auf 83 Millionen Euro.

Da die geplante Privatisierung der Flughafengesellschaft derzeit stockt, müssen die Alt-Gesellschafter in die Bresche springen und jeweils den Anteil übernehmen, mit dem sie - noch - an der Berlin Brandenburg Flughafen Holding (BBF) beteiligt sind. Berlin und Brandenburg sind mit jeweils 37 Prozent dabei, der Bund mit 26 Prozent.

In den aktuellen Haushalten sind diese Zahlungen nicht berücksichtigt. Favorisiert wird deshalb eine besondere Lösung: Danach übernehmen die Altgesellschafter eine Bürgschaft, und die Flughafengesellschaft besorgt sich das Geld selbst über Kredite. Dann würden auch über die neuen Schulden die Millionen-Zinsen für die Alt-Kredite in Höhe von über 500 Millionen Mark aufgebracht, die weiter für das so genannte Baufeld Ost aufgebracht werden müssen. Diese Flächen waren Anfang der 90er Jahre im Auftrag der Flughafengesellschaft für einen geplanten Ausbau des alten Flughafens Schönefeld erworben worden, zu dem es aber nicht kam.

Dieses Mal wollen die Verantwortlichen deshalb vorsichtiger sein. Die Grundstücke, die umgehend erworben werden müssen, sollen unter Vorbehalt mit so genannten Optionsverträgen gekauft werden. Wenn der Flughafen-Ausbau scheitert, wären auch diese Grundstücksgeschäfte hinfällig. Ähnlich war die Magnetschnellbahn-Planungsgesellschaft an der vorgesehehen Transrapid-Trasse zwischen Berlin und Hamburg vorgegangen, die nun nicht gebaut wird.

Für den Ausbau in Schönefeld werden 1470 Hektar, aufgeteilt in 2100 Flurstücke, benötigt. Über 900 Hektar hat sich die Flughafengesellschaft bereits gesichert. Bei den restlichen Flächen will man Spekulanten keinen Spielraum lassen. Der Wert ist nach Angaben der Flughafengesellschaft von einem Gutachter ermittelt worden. Der Kaufpreis werde diese Richtwerte nicht übersteigen. Kommt es zu keiner Einigung, steht - nach einer rechtskräftigen Genehmigung - am Ende ein Enteignungsverfahren.

Schnelle Grundstückskäufe sind unter anderem für die vereinbarte Umsiedlung von Diepensee vorgesehen. Auf der heutigen Dorffläche soll der künftige Bahnhof des Flughafens BBI entstehen. Wenn der Eröffnungstermin Ende 2007 / Anfang 2008 gehalten werden soll, könne man hier nicht bis zum rechtskräftigen Genehmigungsbescheid 2003 warten, heißt es bei den Planern.

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