• Großhalle am Ostbahnhof: Eine gemeinsame Eishockey-Spielstätte für die Eisbären und die Berlin Capitals

Berlin : Großhalle am Ostbahnhof: Eine gemeinsame Eishockey-Spielstätte für die Eisbären und die Berlin Capitals

Klaus Kurpjuweit

Der Coup ist gelungen. Völlig überraschend hat sich, wie berichtet, die Banghard-Gruppe, die bisher zusammen mit Siemens und dem finnischen Unternehmer Harry Harkimo in Siemensstadt eine neue Halle bauen wollte, mit ihrem bisherigen Konkurrenten, der amerikanischen Anschutz-Gruppe, verbündet, um gemeinsam am Ostbahnhof eine Großhalle zu errichten. Dort hatte Anschutz bisher alleine geplant. In der gemeinsamen Halle sollen jetzt die beiden Eishockeyclubs Berlin Capitals, deren Hauptgesellschafter Egon Banghard ist, und Berliner Eisbären, die zum Anschutz-Imperium gehören, eine gemeinsame Spielstätte erhalten. Der Standort am Ostbahnhof mit der Halle für 18 000 Besucher biete größere Chancen für die Vermarktung, teilte Anschutz mit.

Die Eishockeyspiele waren der Grundstock für die jeweiligen Hallenpläne in Siemensstadt und am Ostbahnhof. Harkimo hat sich unterdessen in Hamburg engagiert, wo er sich bei der Eishockeyabteilung des Hamburger SV eingekauft hat. Mit dem Senat der Hansestadt hat sich Harkimo bereits auf den Bau einer Halle geeinigt. In Berlin wollte sich der Finne auch an den in finanziellen Schwierigkeiten steckenden Capitals beteiligen. Dieses Engament kam jedoch nicht zustande, so dass Banghard Hauptgesellschafter bleibt. Damit würden die Capitals, die bisher in der Eissporthalle an der Messe zu Hause waren und künftig vorübergehend in der Deutschlandhalle spielen, den Umzug zum Ostbahnhof mitmachen (müssen). Von dieser neuen Konstellation wurde auch die Mannschaft überrascht.

Trotzdem will Siemens an den Bauplänen in Siemensstadt - noch - festhalten. Der Baubeginn für das 280-Millionen-Mark-Projekt war für Ende dieses Jahres vorgesehen. Die Entscheidung träfen aber die Investoren, sagte Siemenssprecher Enzio von Kühlmann-Stumm. Siemens stellte das Grundstück bereit und beteiligte sich an der Entwicklungsgesellschaft. Der Ausstieg Banghards in Siemensstadt sei bekannt gewesen, die Verbindung mit Anschutz dagegen nicht, sagte von Kühlmann-Stumm weiter.

Anschutz hat sich am Freitag nach eigenen Angaben mit der Bahn AG auf einen Vertrag für den Kauf eines Teils des Grundstücks am Ostbahnhof geeinigt. Die Gespräche zum Kauf der restlichen Flächen stünden kurz vor dem Abschluss. Die neue Partnerschaft zwischen Anschutz und der Banghard-Gruppe sichere jetzt die Realisierung des Hallenkonzeptes am Ostbahnhof.

Wenn beide Eishockeyvereine ihre Heimspiele in einer Halle austragen, sind durch den Spielmodus der Deutschen Eishockey-Liga jährlich über 70 feste Termine garantiert. In der Multifunktionshalle sind daneben zudem andere Veranstaltungen geplant.

Gemeinsame Spielstätten mehrerer Vereine sind nicht ungewöhnlich. In Berlin teilten sich bereits zu Bundesliga-Zeiten Tennis Borussia sowie Blau-Weiß Berlin das Olympiastadion jeweils mit Hertha BSC. Und in München spielen derzeit die Bayern und 1860 München im dortigen Olympiastadion. Beide Vereine wollen auch gemeinsam ein neues Stadion bauen lassen.

Die Absicht, parallel zwei Großhallen zu errichten, war bereits im Vorfeld auf Skepsis gestoßen. Schon der Bau einer solchen Halle auf dem Gelände des Stadions der Weltjugend in Mitte, der zum Olympiakonzept für das Jahr 2000 gehörte, war gescheitert. Für diesen Bau hatte der Senat keinen Investor gefunden. Statt dessen kann man dort heute Golf spielen.

Banghard hatte mit anderen Hallenplänen allerdings auch schon Schiffbruch erlitten. Vor Jahren wollte die Gruppe die Gleisanlagen der S-Bahn am Olympiastadion mit einer Halle überbauen. Über die Absichtserklärung war man aber nicht hinausgekommen. Jetzt soll die Banghard-Gruppe den Vertrieb für das Gelände am Ostbahnhof übernehmen. Für die Projektentwicklung soll die Anschutz-Gruppe zuständig sein. Während die Pläne in Siemensstadt fast baureif waren, gibt es für den Bau am Ostbahnhof aber noch keine festen Terminvorstellungen.

Berlin liegt auf dem Hallenmarkt derzeit im Hintertreffen. Großarenen sind in den vergangenen Jahren woanders entstanden - etwa in Hannover und Köln. Dort finden derzeit auch die Spiele der Eishockey-Weltmeisterschaft statt. Berlin hatte - ohne Großhalle - keine Chance auf einen Zuschlag.

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