Berlin : Großherzige Hilfe in sparsamen Zeiten

„Menschen helfen!“ – Tagesspiegel-Leser nahmen das Motto unserer Aktion wörtlich und spendeten 250 000 Euro. Gestern wurde das Geld an 36 Sozialprojekte übergeben

Annette Kögel

Hugo Röck lässt seiner Freude freien Lauf. „Ich bin begeistert“, sagt der Mann vom Katholischen Pfarramt Sankt Marien, „jetzt ist das Essen unserer Suppenküche für zwei Monate im Sommer gesichert.“ Viermal die Woche 80 Portionen am Tag, da kommt was zusammen. Dass Menschen ohne Obdach auch dann ein warmes Wort und eine warme Mahlzeit finden, wenn die Winterquartiere längst dicht sind, hat die Spendenaktion „Menschen helfen!“ möglich gemacht. Oder besser gesagt: die Leser des Tagesspiegels. Denn sie haben anlässlich unserer traditionellen Weihnachtsaktion im vergangenen Jahr über 250 000 Euro gespendet. Am Donnerstag bat der Tagesspiegel Vertreter der 36 Projekte aus allen sozialen Bereichen zur Scheckübergabe; auch Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner (PDS) folgte der Einladung gern.

„Das ist ja mal ein richtig schöner Anlass für eine Sozialsenatorin in der Stadt“, sagte Frau Knake-Werner vor den Gästen im sechsten Stock des Verlagshauses an der Potsdamer Straße. Denn „der Hilfsbedarf in dieser Stadt wird größer und größer“, das Geld in den öffentlichen Kassen aber weniger.

Da muss man sich die Summe mal auf der Zunge zergehen lassen und ausnahmsweise die alte Währung bemühen: Eine halbe Million Mark kam zusammen. „Dabei hatten wir Sorge, dass die Leser angesichts der Sparmaßnahmen und der Reformen, die viele betreffen, nicht mehr so großzügig spenden können“, sagte Lorenz Maroldt, stellvertretender Tagesspiegel-Chefredakteur – „doch jetzt ist die Summe sogar höher als im Jahr zuvor.“ Und das, obwohl die Wohlfahrtsverbände „generell mit einem rückläufigen Spendenaufkommen und einer abnehmenden Spendenbereitschaft zu kämpfen haben“, wie Heidi Knake-Werner sagte.

250 000 Euro zu vergeben – das freute nicht nur das „Menschen helfen!“-Projekt-Team und den Spendenverein dieser Zeitung, sondern auch die Vertreter der 36 bedachten Projekte. Da gab es erstaunte, freudige Gesichter nach dem Blick auf den Scheck. Viele hatten eine Kamera mitgebracht – oder auch ein kleines Dankeschön. So überreichten die Frauen von der Stadtmission dem Spendenteam einen Korb Ostereier.

„Die Tagesspiegelleser spenden wohl auch, weil sie wissen, dass das Geld direkt beim Empfänger ankommt“, hatte die Sozialsenatorin in ihrer Ansprache gesagt – und natürlich werden wir auch diesmal wieder überprüfen, ob die Spenden tatsächlich für die Projekte verwendet werden, mit denen sich die Vereine bei uns beworben hatten. So kann Karuna e.V. eine Drogenentgiftungsstation für Jugendliche aufbauen und der Verein „Hunde für Handicaps“ Behindertenbegleithunde ausbilden. Die Aids-Hilfe wird ihre Küche neu ausstatten, der Verein „Altern in Würde“ eine neue Wohngemeinschaft für alte Menschen eröffnen. Das Caritas-Arztmobil bekommt neue Geräte und Medikamente, „Subway“ hilft jungen Strichern. Das Netzwerk behinderter Frauen kann weitermachen, der Türkisch-Deutsche Frauenverein seine Zufluchtswohnung vergrößern. MS-Gesellschaft, Kinderschutzzentrum, „Clowns im Krankenhaus“, Malteser, DRK, Johannesstift – „ohne ihre Arbeit“, sagte Maroldt, „wäre die Stadt in Finanznot erst so richtig arm“.

Er dankte auch den Großspendern – wie Unternehmer Hans Wall. Und einer zweifachen Mutter, die von Berlin nach München umgezogen ist, ihr Tagesspiegel-Abo aber behielt. Gleich 10 000 Euro hatte die Frau, die anonym bleiben möchte, zugunsten der Erdbebenopfer im Iran überwiesen. Bei so viel guten Nachrichten klang die Klassikcombo von der Tagesspiegel-Partnerschule, der Sophie-Scholl-Gesamtschule, erst recht beschwingt .

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