Großplakate : Die Hüllen sollen fallen

Ärger um das Riesenplakat am Schlossplatz: Damit will die Firma Megaposter die Humboldt-Box finanzieren. Das Bezirksamt Mitte hält die Großplakate für illegal. Ein Pro & Contra.

Cay Dobberke
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Das umstrittene Großplakat am Schlossplatz. -Foto: Thilo Rückeis

Das künftige Humboldt-Forum im wiedererrichteten Stadtschloss solle die „Begegnung der Kulturen der Welt“ fördern, heißt es im Konzept. Derzeit allerdings prägt US-Werbekultur den Schlossplatz, auf einem Riesenplakat wünscht Coca-Cola „frohe Weihnachten“. Das Gerüst mit der Reklame gehört zu einem Container gegenüber dem Lustgarten, den die Firma Megaposter als Planungsbüro für die „Humboldt-Box“ nutzt. Diese soll bald über die Projekte am Schlossplatz informieren – ähnlich wie einst die Infobox am Potsdamer Platz. Das Plakat jedoch muss nach dem Willen des Bezirksamts Mitte weg: Nur Baustellenwerbung genieße Privilegien, sagt Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD). „Es handelt sich nicht um ein Baugerüst.“ Zudem würden Denkmäler wie der Berliner Dom in ihrer Wirkung beeinträchtigt.

Absehbar ist ein Rechtsstreit mit der Megaposter GmbH, die vom Senat den Zuschlag für die Planung, den Bau und den späteren Abriss der Humboldt-Box erhalten hat. Ohne Werbeeinnahmen könne das fünf Millionen Euro teure Informationszentrum nicht entstehen, sagt Geschäftsführer Gerd Henrich, der sich auf einen Vertrag mit dem Land Berlin beruft. Werde die Plakatbeseitigung angeordnet, „gehen wir vor Gericht“. Am Donnerstag erhielt Henrich ein Schreiben, in dem der Bezirk eine Stellungnahme bis zu diesem Wochenende verlangte.

Um Riesenposter wurde in Berlin schon oft gestritten. 1999 geriet die Gedächtniskirche in die Schlagzeilen, als Kosmetikwerbung mit Claudia Schiffer am Glockenturm hing, um dessen Sanierung zu finanzieren. Kritik löste später auch Reklame am Brandenburger Tor, an der Charité und der Marienkirche, am Leipziger Platz und am Charlottenburger Tor aus. Aktuell staunen Passanten über die Außenwerbung einer Modekette am Bahnhof Zoo. Den Anlass dafür erfuhr der Charlottenburg-Wilmersdorfer Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU) erst auf Nachfrage bei der Bahn: „Angeblich werden dort bald Stahlträger saniert.“

Gröhler, Gothe und die Grünen-Abgeordnete Claudia Hämmerling mahnen eine Gesetzesänderung an, die Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg JungeReyer (SPD) noch für dieses Jahr versprochen hatte. Nun heißt es, der Senat solle den Entwurf im Januar beraten. 2005 hatte die Landesregierung die Bauordnung gelockert, Baustellenwerbung wurde genehmigungsfrei. Jetzt soll dies zum Teil revidiert werden. Riesenposter müssten nach sechs Monaten wieder verschwinden. Und ganz ohne Genehmigung dürften sie nur noch für drei Monate hängen, wenn sie „öffentliches Interesse“ erfüllen und zum Beispiel erwünschte Bauvorhaben finanzieren.

Wenn hinter Gerüsten aber gar nicht gebaut werde, sei die Werbung „ein Ärgernis“, heißt es aus der Stadtentwicklungsverwaltung, die im Streit um den Schlossplatz auf der Seite des Bezirks steht. Megaposter denkt derweil schon weiter und will später direkt am Baugerüst des Schlossneubaus werben.

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