Berlin : Großrazzia bei Hells Angels

Rocker sollen mit Kokain und Anabolika gehandelt haben. Bis Oktober hatten die Verdächtigen einen Spitzel bei der Polizei

Hannes Heine

Bei einer Razzia gegen Rocker sind am Donnerstagabend Polizeiangaben zufolge Drogen und Waffen sichergestellt worden. Im Umfeld von Angehörigen der Reinickendorfer Dependance – des örtlichen Charters – der Hells Angels sind 24 Wohnungen in neun Stadtteilen durchsucht worden, hieß es am Freitag. Vorläufig seien 15 Männer festgenommen worden, drei Verdächtige wurde am Freitagabend einem Haftrichter vorgeführt. Den Männern im Alter von 22, 24 und 30 Jahren wird Kokainhandel vorgeworfen.

Bei der Aktion waren rund 200 Beamte sowie Spürhunde im Einsatz. Es wurden Hieb- und Stichwaffen gefunden, in den kommenden Tagen werden beschlagnahmte Notizen und Computer ausgewertet. Bei einem Fluchtversuch mit seinem Auto rammte laut Polizei ein Tatverdächtiger einen Polizeiwagen.

Die Ermittlungen richten sich unter anderem auf den Verdacht des Anabolikahandels, des gewerbs- und bandenmäßigen Handels mit Betäubungsmitteln, der Bestechung sowie der Verletzung von Dienstgeheimnissen: Die Männer des betroffenen Charters „Hells Angels MC Berlin City“ sind in der Vergangenheit mehrfach auch außerhalb Berlins aufgefallen – zuletzt, weil sie bis vergangenen Oktober von einem Polizisten vor Razzien des Landeskriminalamtes gewarnt worden waren. Schon lange kursierte in Sicherheitskreisen das Gerücht, dass Rocker einen Informanten bei der Berliner Polizei abschöpfen. Zu oft gab es Durchsuchungen, bei denen für die Ermittler überraschend kaum verwertbare Beweise gefunden wurden. Im Oktober 2010 kontrollierten Rockerspezialisten des Landeskriminalamtes schließlich die Wohnungen eines Polizeimeisters und seiner Bekannten in Reinickendorf und Spandau. Ausgerechnet an die in der Nacht zu Freitag durchsuchten Reinickendorfer Hells Angels soll der Mann mit türkischen Wurzeln bevorstehende Polizeiaktionen verraten haben. Der Beschuldigte kannte die Rocker dem Vernehmen nach vom Kraftsporttraining und war noch nicht lange im Dienst. Vermutlich hatte er sich über den polizeilichen Zentralcomputer nötige Informationen verschafft. Der Polizeimeister wurde sofort suspendiert, ein Verfahren läuft noch. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu drei Jahren Haft. Nach dem Strafprozess folgt das polizeiinterne Disziplinarverfahren.

Erst vor einem Jahr hatten sich die ins Visier geratenen Hells Angels unter hohem Risiko von der konkurrierenden Rockerbruderschaft Bandidos getrennt. Der abtrünnige Ex-Bandidos-Club mit dem einstigen Namen „El Centro“ fungierte zunächst als Berliner Sektion der „Hells Angels Türkei“ – bis dahin waren die Höllenengel in der Hauptstadt mehrheitlich deutscher Herkunft. Die Bandidos hatten Angaben von Ermittlern widersprochen, wonach rund 70 ihrer Anhänger von „El Centro“ zur Konkurrenz gewechselt waren und hatten ein Foto von zehn abtrünnigen Ex-Mitgliedern im Internet veröffentlicht. Wenig später verhinderten Polizisten eine Massenschlägerei zwischen den Bruderschaften.

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