Berlin : Großrazzia wegen Funkhaus-Deal

26 Objekte durchsucht, Drogenplantage entdeckt

Stefan Jacobs

Mit mehr als 100 Beamten haben Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt gestern Teile des einstigen DDR-Funkhausgeländes an der Nalepastraße in Köpenick und 25 weitere Objekte in Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen durchsucht. Gefunden werden sollten Dokumente zum umstrittenen Billigverkauf und der anschließenden Teilung und Versteigerung des Geländes. Dabei hatten private Spekulanten einen Millionengewinn gemacht, während Berlin und die neuen Länder als frühere Eigentümer unter dem Strich noch draufzahlten.

Zugleich wurden erstmals Namen von Beschuldigten genannt: Dem ehemaligen Geschäftsführer der „Bau und Praktik“ Frank T. sowie dessen Sohn Nico und ihrem Geschäftspartner Andreas W. werden Betrug und Untreue vorgeworfen. Frank T. bestritt auf Nachfrage, dass die Polizei bei ihm gewesen sei. Die beiden anderen Beschuldigten äußerten sich nicht.

Die „Bau und Praktik“ hatte das gesamte Objekt Ende 2005 für 350 000 Euro gekauft und allein das Kerngelände mit den denkmalgeschützten Studios und Büros über eine Tochterfirma für mehr als drei Millionen Euro wieder abgestoßen. Ein weiterer wertvoller Grundstücksteil ging zum Nulltarif an eine Firma von Nico T.; nur ein schwerer verkäuflicher Rest blieb zunächst bei der „Bau und Praktik“. Auf diesem Teil des gut 13 Hektar großen Geländes entdeckten die Beamten gestern zufällig eine überdachte, noch nicht fertig aufgebaute Plantage mit Marihuanapflanzen. Mit dieser sollen die Spekulanten rund um den Millionendeal allerdings nichts zu tun haben.

Der neue Investor Albert Ben David ist nach Auskunft seiner Sprecherin von den Ermittlungen in keiner Weise betroffen. Er hatte der „Bau und Praktik“ das Kerngelände im Herbst abgekauft und will es zu einem Medienzentrum entwickeln.

Das hätte laut Vertrag auch die „Bau und Praktik“ tun sollen. Stattdessen regelte deren Chef Frank T. schon vor dem Kauf die Zerschlagung des Geländes. Erleichtert wurde ihm das durch einen laut Rechnungshof höchst unprofessionellen Kaufvertrag. Der verantwortliche Magdeburger Beamte wurde fristlos entlassen, aber im Januar wieder eingestellt. Auch die Umstände seiner Rückkehr beschäftigen den Rechnungshof.

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