Berlin : Großstadtindianer im Urwäldchen

Eine Melange aus Natur und Stadt– das bietet der Ostteil des Gleisdreieck-Parks Am Langen Tag der Stadtnatur ließ er sich erkunden Anfang September wird er offiziell übergeben

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Was ist das hier, ein Park? Ein Spielplatz? Um das Mysterium zu lüften, zogen am Samstag zum Langen Tag der Stadtnatur wieder viele Menschen neugierig über das Gelände, das am 2. September als neuer Stadtpark den Berlinern übergeben werden soll. Es geht um den Gleisdreieck-Park. Ein sonderbarer Gleisbettwald ist dort zu entdecken, aber auch eine Art Neandertalspielplatz für Matschepampe-Aktivisten. Den Verantwortlichen ist dazu das Wort „Naturerfahrungsraum“ eingefallen. Der Gleisdreieck-Park ist tatsächlich eine besondere Melange aus Park, Natur und Stadt.

Fertiggestellt wird zunächst nur die Ostseite des Parks, das sind rund 13 Hektar zwischen Technikmuseum, Fernbahntrasse, Yorckbrücken und Möckernstraße. 8,6 Millionen Euro werden dann verbaut sein. Der gesamte Park inklusive Westseite auf dem ehemaligen Potsdamer Güterbahnhof soll rund 25 Hektar groß sein. Der Westteil wird voraussichtlich 2013 fertig. Beide Parkteile werden nicht, wie ursprünglich geplant, durch eine Brücke über die ICE-Gleise miteinander verbunden. Radfahrer und Jogger müssen den Umweg über den Tunnelmund der Fernbahn nehmen.

Von der einstigen Wildheit des Bahngeländes ist außer dem Urwäldchen, rund drei Hektar groß, nicht viel geblieben. Im Zentrum lädt eine große Rasenfläche zum Sonnen und Picknicken ein. Am Südostrand baut ein Verein Gemüse an. Mehrere Spielplätze sind im Entstehen, ein Revier für Skateboardfahrer und kleine Freizeitsportplätze. Ein Grillplatz ist nicht vorgesehen. An den Rändern sind breite Asphalt- und Betonwege entstanden, um rollenden Freizeitsportlern und Kinderwagenschiebern die Fortbewegung zu erleichtern. Dem Anwohnerbeirat wären naturnahe Kieswege lieber, die Verwaltung wollte pflegeleichte Oberflächen.

Vertreter der Anwohner ist ein Urgestein der West-Berliner Ökobewegung, Norbert Rheinländer. Der Architekt entwickelte vor rund 35 Jahren mit grünalternativen Mitstreitern das Konzept der „Grüntangente“ als Gegenentwurf zur Westtangenten-Autobahnplanung. Die Grüntangente zwischen Potsdamer Platz und Schöneberger Südgelände mit dem Gleisdreieck als Kern wurde nach der Maueröffnung in die Senatsplanung übernommen, die Bauherren des Potsdamer Platzes zahlten dafür insgesamt 22 Millionen Euro als Ausgleichsmaßnahme.

„Eigentlich wurde uns ein 60 Hektar großer Park versprochen“, erinnert sich Rheinländer, doch die Hälfte ist nun als Bauland ausgewiesen. An der Flottwellstraße, im Möckernkiez und am sogenannten Yorckdreieck zwischen den S-Bahntrassen entstehen vor allem Wohnhäuser.

Kostenlose Führungen jeden zweiten Sonntag, etwa am 26. Juni und 10. Juli. Treffpunkt ist um 15 Uhr am Ende der Ladestraße hinter dem „Spectrum“ des Technikmuseums. Infos: www.gruen-berlin.de

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