Berlin : Grün-weißer Anstrich

Jugendliche Straftäter renovieren ihre zuständige Polizeiwache

Tanja Buntrock

Hüseyin, 18 Jahre, kannte den Weddinger Polizeiabschnitt 35 in der Oudenarder Straße bislang nur als Krimineller. Des Öfteren wurde er hier schon vorgeladen: „Schlägerei, Diebstahl und so weiter“, sagt Hüseyin.

Doch seit knapp zwei Wochen sieht der junge Mann mit Hauptschulabschluss die Polizeiarbeit aus einer etwas anderen Perspektive: Zusammen mit zwei anderen Jugendlichen streicht er die Wände der Wache. Hüseyin nimmt wie momentan 28 weitere Jugendliche am „Freiwilligen Sozialen Trainingsjahr“ (FSTJ) im SOS-Berufsausbildungszentrum Berlin teil. Träger ist das SOS-Kinderdorf. Das Trainingscenter sitzt ebenso wie der Polizeiabschnitt 35 in den Gebäuden der Osram-Gewerbehöfe. „Unsere Wache hatte mal einen neuen Anstrich nötig. Und weil wir sozusagen Nachbarn sind mit den Leuten vom SOS-Kinderdorf, haben wir die engagiert“, sagt Abschnittsleiter Uwe Heller.

Die Jugendlichen werden vom Arbeitsamt an das Ausbildungszentrum vermittelt. Finanziert wird das Projekt vom Arbeitsamt und von Spenden. Gezahlt werden den jungen Teilnehmern 220 Euro Beihilfe im Monat und 64 Euro Taschengeld, erklärt Ausbilder Michael Paeltz. Wer nicht pünktlich komme und das Projekt nicht ernst nehme, „der fliegt sofort raus“. Die Jugendlichen lernten, sich hier handwerklich zu qualifizieren und hätten so – auch wenn sie keinen Schulabschluss haben – mehr Chancen auf eine richtige Ausbildungsstelle oder gar einen Job, sagt Paeltz. Für die Polizei hat die Zusammenarbeit auch einen Vorteil: „Wir sparen Geld für die Malerarbeiten, denn das wäre im Etat der Behörde nicht drin gewesen“, sagt Abschnittschef Heller.

Auch Erkan (25) hofft durch das Malern im Projekt auf eine zweite Chance: „Früher hatte ich die falschen Freunde, hab’ krumme Dinger gedreht“, gibt er zu. „Aber jetzt habe ich eine ältere Freundin, die ein Kind hat. Ich muss jetzt etwas Vernünftiges machen in meinem Leben.“ Erkan ist nach der 8. Klasse von der Hauptschule abgegangen. „Ich würde nach dem, was ich hier gelernt habe, gern als Maler arbeiten. Ich habe hier viel gelernt.“ Werner, 17, findet: „Das hier ist viel besser als Schule.“ Was er später beruflich machen will, weiß er noch nicht genau. „Hauptsache einen festen Job haben“, ist sein Motto. Die Chancen stehen nicht mal schlecht. „Wir haben knapp 70 Prozent unserer Jugendlichen in den vergangenen Jahren vermittelt“, sagt Ausbilder Paeltz.

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