Berlin : Grün zu grau

In der Kurfürstenstraße wird eine Wiese gepflastert Alles andere wäre zu teuer

-

Wegen fehlenden Geldes für die Pflege wird an der Schöneberger Kurfürstenstraße aus einer Grünfläche ein weithin steinerner Platz. Der rund 200 000 Euro teure Umbau vor der Zwölf-Apostel-Kirche soll bis Dezember beendet sein. Das Projekt ist unter Anwohnern durchaus umstritten. Stadtentwicklungsstadträtin Elisabeth Ziemer (Grüne) argumentiert, es habe schon seit Jahren Beschwerden über die Grünfläche gegeben, die immer mehr zum „Hundeklo“ verkommen sei. Auch die Prostitution an der Straße soll dem Grün nicht bekommen sein.

Schon sind Bäumchen, Buschwerk und Rasen weg, die Erde ist aufgewühlt, Steine sind gestapelt oder bereits verlegt. An eine erboste Anwohnerin schrieb Elisabeth Ziemer, sie sei grundsätzlich der Meinung, dass die Städte nicht weiter versiegelt werden sollten. Aber auf diesem Platz, unter dem ein U-Bahnschacht verlaufe, sei die Planung richtig, zumal die Kosten drückten. „Die Pflege von Blumenbeeten, Sträuchern und/oder Rasen ist dauerhaft nicht zu gewährleisten, da dafür immer weniger Mittel zur Verfügung stehen.“ Aber es würden immerhin vier neue Bäume gepflanzt, heißt es.

Auch die Kirche habe den Platz aufwerten und für eigene Zwecke nutzen wollen, teilt die Stadträtin mit. Sie spricht von Hochzeiten, Taufen, Musikveranstaltungen. Ein Pastor wird in den Mitteilungen des Quartiersmanagements damit zitiert, dass die Gemeinde gern eine Grünfläche und einen Brunnen gehabt hätte. Wie der Bezirk könne aber auch die Gemeinde die Unterhaltungskosten nicht zahlen. Eine neue Grünfläche werde vermutlich ohnehin wieder verwahrlosen.

Das Umbau-Projekt wird von der EU, dem Bund und dem Land Berlin im Rahmen des Programms „Soziale Stadt“ gefördert, die Planung stammt von der „Arbeitsgruppe Planwerk“, die auch eine Beleuchtung der Kirche vorsieht. Außerdem soll die „historische Geometrie“ des Platzes wieder aufgenommen werden. Unterstützt wird die Umgestaltung vom Quartiersmanagement Schöneberger Norden, als treuhänderischer Bauherr für das Land Berlin tritt das Sozialpädagogische Institut (SPI) auf, eine gemeinnützige Stiftung, die dem Quartiersmanagement angehört. Bei der Planung, die öffentlich vorgestellt und diskutiert worden sei, habe man auch Anregungen der Anwohner aufgegriffen, sagt Sabine Benkwitz vom SPI. Die Grünfläche mit Hochbeet-Betonkübeln sei im Übrigen „unschön“ gewesen und überwiegend als verwahrloste Wiese wahrgenommen worden.C. v. L.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben