Berlin : Grünanlagen: Mit dem letzten Geld wird Müll weggeräumt

Annekatrin Looss

Die Grünflächen in Berlin verkommen. Schon seit Jahren fehlen Millionenbeträge für die Pflege und Unterhaltung der Parkanlagen. Die Folge: Der Müll sammelt sich, der Rasen verdorrt, Unkraut verbreitet sich. Seit Jahren stehen den Bezirken deutlich weniger als die Hälfte des Bedarfes an finanziellen Mitteln zu Verfügung. So lagen die Ausgaben der Naturschutz- und Grünflächenämter für Sachmittel nach Angaben des Senats im vergangenen Jahr bei 42 Millionen Mark, der Bedarf dagegen bei 110 Millionen Mark. 1996 standen den Bezirksämtern 49 Millionen Mark, also sieben Millionen Mark mehr, für die Pflege der Grünflächen zur Verfügung. Im gleichen Zeitraum wuchsen die Parkanlagen jedoch um 550 Hektar.

Besonders betroffen von den Einsparungen ist der Fusionsbezirk Mitte. Standen den drei Altbezirken Tiergarten, Wedding und Mitte im vergangenen Jahr noch 5,1 Millionen Mark für die Grünflächen zur Verfügung, sind es für den Großbezirk in diesem Jahr nur noch 1,7 Millionen Mark, das sind 30 Prozent des Bedarfs. "Wir sparen, wo es geht", sagt Mittes Wirtschaftsstadtrat Dirk Lamprecht. Auf Neuanpflanzungen werde deswegen ebenso verzichtet, wie auf Ersatzpflanzungen für eingegangene oder zerstörte Pflanzen. Auch die Zeiten, in denen in den Parks und auf den Mittelstreifen aufwendige Blumenrabatten angelegt wurden seien lange vorbei. Das Geld wird für andere Dinge gebraucht. Zur Müllbeseitigung zum Beispiel. Bis zu 120 Kubikmeter Müll entstehen im Großen Tiergarten an einem Wochenende. Die Entsorgung kostet pro Wochenende rund 22 500 Mark. Dass der Tiergarten trotz Geldmangel saftig grün aussieht, verdanken die Berliner der ausgefeilten Technik im Park. An heißen Tagen werden mit vier Wasserpumpen stündlich 1000 Kubikmeter Wasser aus dem Landwehrkanal gepumpt und mit Kanonen auf dem Grün verteilt. Und noch einen Vorteil hat der Bezirk Mitte. "Hier siedeln sich viele große Firmen an, die wollen, dass ihr Umfeld gepflegt aussieht", erklärt Lamprecht. Die Grünflächen rund um die Firmengebäude pflegen die Unternehmen deswegen oft auf eigene Kosten.

Schlechter geht es dem Bezirk Pankow, hier besonders dem Mauerpark - Abend für Abend beliebter Treffpunkt für Anwohner. Gerade mal 38 Pfennig pro Quadratmeter Grünfläche und Jahr steht dem Bezirksamt Pankow zur Pflege und Instandsetzung der Parks zur Verfügung. Für den Mauerpark sind das 4000 Mark. "Das reicht nicht einmal, um die Schäden einer Randale zu beseitigen", beklagt Umweltstädträtin Ines Saager. Vor wenigen Wochen hatten Randalierer Holzbohlen aus der Spielplatzanlage gerissen und in einem Lagerfeuer verbrannt. Der Schaden: 20 000 Mark. Den Müll, den die allabendlich Partygäste hinterlassen, sammeln täglich zwei ABM-Kräfte auf. Gewässert wird nicht. Als der Mauerpark angelegt wurde, habe man die Bewässerungsanlage schlicht vergessen, sagt Saager. "Und Personal dafür haben wir nicht." So verbrennt hier der Rasen, riesige kahle Stellen entstehen. "Der Park ist absolut übernutzt", sagt Saager. Und weil man ihn nicht pflegen könne, werden demnächst hier keine Veranstaltungen mehr genehmigt.

Durch die mangelnde Pflege der Grünanalagen wird zudem die Hemmschwelle für Vandalismus herabgesetzt. Das gilt nicht nur für den Mauerpark. Jahr für Jahr verursachen Randalierer in den Berliner Parks einen Schaden von 8,6 Millionen Mark; allein auf Kinderspielplätzen 2,2 Millionen Mark. Ob Parkbänke, Papierkörbe oder Spielgeräte oder Pflanzen und Bäume - alles wird mutwillig zerstört.

Eine Lösung ist nicht in Sicht. Verschiedene Ansätze werden in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung diskutiert. So wäre der verstärkte Einsatz von Parkwächtern denkbar. Die jedoch haben nachts, wenn ein Großteil der Schäden entsteht, längst Feierabend. Auch ein stärkeres Engagement privater Unternehmen sei wünschenswert, sagt Beate Profé, Referatsleiterin für Grünanlagen bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. So half die Allianz-Stiftung bei der Finanzierung des Lustgartens und des Mauerparks. Für die Pflege der neuen Grünflächen sind allerdings die Bezirke zuständig und weil denen das Geld fehlt, verkommen auch einige der neu angelegten Parks recht bald. Vor allem aber müsse sich die Einstellung der Bevölkerung ändern, meint Profé. Die Bezirke könnten einen Großteil der Kosten sparen, wenn einfach jeder seinen Müll wieder mitnähme, jeder ein bisschen sorgsamer mit dem Grün in der Stadt umgehen würde. Doch soweit denken offenbar viele Parkbesucher nicht. Noch nicht.

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