Berlin : Grüne vor der Wahl: Bundesgrüne Kritik an Berliner "Laienschauspiel"

Sabine Beikler

Die Sozialisten waren die ersten: Ihr Wahlkampfauftakt mit Gregor Gysi fand bereits Mitte Juli nach dem PDS-Landesparteitag vor dem Roten Rathaus statt. Und am heutigen Sonnabend startet die Berliner CDU ihren Wahlkampf im Palais am Funkturm. Die SPD zelebriert einen Tag später ihren Auftakt mit verschiedenen Festen in den Bezirken und einem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit, der im Bus von einem Ort zum anderen kutschiert wird. Nur die Grünen sparen sich einen eigenen Wahlkampfauftakt. Warum, erklärt Landeschefin Regina Michalik so: "Wir haben schon diverse Auftritte gehabt. Und seit Februar hatten wir einen Auftakt nach dem anderen."

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Die Berliner Spitzenkandidaten
Die Selbstsicherheit des Landesverbandes, dass Wahlslogans wie "Wir sind die Antikorruptionspartei" und "Gegen Filz und Korruption: Die einzige Alternative" schon in die Köpfe der Wähler eingehämmert wurden, überzeugt bei weitem nicht alle Grünen-Mitglieder. "Das klingt wie: Wir sind das kleinere Übel", sagt ein ehemaliger Berliner Spitzenpolitiker. Kritik an der Wahlkampfführung wird wie bei allen Parteien auch bei den Grünen nicht offen ausgetragen. Weil die Organisation von Terminen auf Landesebene offensichtlich unbefriedigend lief, kommt seit Wochenbeginn täglich punkt acht Uhr eine Runde mit Mitgliedern der Fraktion, des Landesvorstandes und der beiden Pressesprecher zusammen, um sich über die Terminlage auszutauschen.

Das Zusammenspiel zwischen Fraktion und Landesvorstand bei den Grünen wird durch die Trennung von Amt und Mandat erschwert. Parteifreunde auf Bundesebene sprechen in "sympathischer Kritik" mitunter von einem "Laienschauspiel". Gerade jetzt in den Wahlkampfzeiten bräuchte man die "erfahrensten Leute". Die Berliner Grünen würden ihre Inhalte "mangelhaft vermarkten", es fehle an einem "inhaltlich-strukturierenden Zentrum". Grünen-Bundespolitiker und Berliner Parteifreunde würden sich nur "punktuell" verständigen, und eine gemeinsame "strategische Linie" im Wahlkampf fehle völlig.

Die Berliner Landeschefin weist diese Kritik scharf zurück. Man führe immer wieder Gespräche mit Grünen-Bundespolitikern, die auch ihre Bereitschaft verkündet hätten, im Berliner Wahlkampf aufzutreten. Warum allerdings für Auftritte wie den von Cem Özdemir, innenpolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, am heutigen Sonnabend auf dem Oranienstraßenfest in Kreuzberg, vor der Landesgeschäftsstelle der Partei, nicht öffentlich geworben werde, darauf hat Regina Michalik auch keine rechte Antwort. "In jedem Wahlkampf gibt es etwas, was man besser machen kann."

Grünen-Spitzenkandidatin Sibyll Klotz bezeichnet ihr Verhältnis zum Landesvorstand als "konstruktiv". Die Partei habe sich allerdings sehr schnell aus der Opposition in die Rolle einer Regierungspartei hineinfinden müssen. Das sei ihr "recht gut" gelungen, habe aber den Einstieg in den Wahlkampf verzögert. Der laufe jetzt rund und immer besser. "Über mangelnde Unterstützung kann ich mich nicht beklagen." Die Partei will ihrer Spitzenkandidatin zwar kein Image verpassen, doch auch Sibyll Klotz trifft sich einmal in der Woche mit ihrem "Sibyll-Team". In dieser Gesprächsrunde mit Mitarbeitern von Grünen-Politikern und Parteifreunden geht es um Argumentationen zum Beispiel auf den zahlreichen Wahlkampfveranstaltungen, in denen die Spitzenkandidaten aufeinander treffen. Seit neuestem hat Frau Klotz auch einen persönlichen Referenten: Stephan Noë, den früheren Pressesprecher der Grünen-Fraktion. Noë begleitet die Spitzenkandidatin zu allen Terminen und berät sie auch inhaltlich. Das Wort "Berater" hört Sibyll Klotz allerdings nicht gern. "Ich brauche keinen Beraterstab wie Frank Steffel." Der habe ja schon so viele Berater um sich geschart, dass man gar nicht mehr genau wisse, wer da eigentlich wen worin berät.

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