Berlin : Grüne Wahlkampfverkaufsaktion am Wittenbergplatz gegen "Preiswucher"

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"Ist das echt wahr", fragte ein Passant gestern ungläubig am Wittenbergplatz. Und auch andere schauten ziemlich skeptisch auf das Plakat. Doch mit versteckter Kamera hatte die Aktion nichts zu tun. Auch wenn in großen Buchstaben da etwas kaum Glaubliches stand: "Reguläre Fahrscheine für 3,90 Mark. Heute zum Selbstkostenpreis von nur drei Mark." Der große Ansturm blieb trotz des "Spottpreises" aber aus. Zwar waren die Fahrscheine so echt, dass die von der BVG herbeigerufene Polizei wieder abzog. Aber die Sache hatte dennoch einen Haken - sie war eine Wahlkampfveranstaltung der Grünen.

"Schluss mit dem Preiswucher bei der BVG und S-Bahn", forderten sie, und das sah eben nicht jeder so. "Die spinnen. Die müssen doch alles selber bezahlen" und "Ihr Grünen wollt alles umsonst", sagten manche Passanten. "Ich habe eine Umweltkarte", erklärten jedoch die meisten, wenn sie gefragt wurden, warum sie kein Ticket kauften. So gab es nur wenige, die recht überzeugt auf den Stand mit dem Infomaterial und den Fahrkarten zugingen "Ich bin ehrlich. Ich habe es nur wegen des Preises gekauft", gab eine Frau zu. Aber politisch haben die Grünen wohl nichts davon. Sie habe sich bei der Wahl der richtigen Partei noch nicht festgelegt.

"Ich habe die Karte gekauft, würde aber nicht grün wählen", sagte dagegen eine andere BVG-Benutzerin. Eine Rentnerin hatte sich ohnehin die Umweltkarte der Nachbarin ausgeliehen. Nebenbei beklagte sie sich über die Wildschweinplage in ihrer Wohngegend. "Ich nehme an, dass hat was mit den Grünen zu tun", meinte sie.

Doch verkehrte Welt. Touristen lobten Berlin besonders für die niedrigen BVG- Preise. "Hier darf man länger mit dem Ticket fahren", sagte eine Berlin-Besucherin aus Kiel. "Meine Bekannten aus München wundern sich, wie billig die Fahrpreise hier sind", erklärte auch eine Berlinerin.

Am Ende hatten die Grünen schließlich um die 200 Karten verkauft. Die Aktion soll an anderen Plätzen wiederholt werden.

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