Grüne Woche : Alles Glück der Erde …

Beim Ländertag Berlin drehte sich alles um Pferdesport und -haltung. Etwa 80 Prozent der hiesigen Landwirte haben mit Pferden zu tun - für viele ist es die letzte Einnahmequelle.

Katja Reimann
Grüne Woche
Aufgeblasen. Falsche Pferde, echte Reiter. -Foto: Thilo Rückeis

Todesmutig legt sich der fünfjährige Arthur rücklings auf das Pferd Domino. Auf der einen Seite baumeln seine Arme und sein Kopf, auf der anderen Seite seine Beine. „Der tote Indianer“ heißt diese Übung aus dem Voltigiersport. Und voltigieren bedeutet nichts anderes als: waghalsig auf einem Pferd zu turnen. Domino ist allerdings ein sehr braver Vierbeiner, er muckst und zappelt nicht, denn er ist aus Holz. Sein Pappmascheekopf pendelt leicht hin und her, als die Kinder der Reitschule Qualitz-Domaradzki auf ihm knien, stehen und herumkugeln. Beim gestrigen Ländertag Berlin auf der Grünen Woche hatte das hölzerne Pferd seinen großen Showauftritt, denn dort drehte sich alles um Pferdesport und -haltung.

„Berlin, Weltstadt mit Pferdestärken“, lautete das Motto der Veranstaltung in Halle 21 b, zu der auch Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Die Linke) kam. In Berlin, so die Senatorin, gebe es mehr als 600 Pferde und über 20 Reiterhöfe. Reiten sei hier nicht nur ein beliebter Freizeitsport, sondern auch Naherholung.

Doch was für die Städter ein schöner Sport ist, bedeutet für die Landwirte sehr harte Arbeit. Für viele ist die Pferdehaltung in den letzten Jahren zur einzigen Einkommensalternative neben der Landwirtschaft geworden. So zum Beispiel für Christian Qualitz, 49, aus Lübars. Seit 320 Jahren schon ist sein Hof am Rande Berlins in Familienbesitz. Der Boden in Lübars sei für eine ordentliche Bewirtschaftung zu schlecht, sagte Qualitz. „Als einzige Möglichkeit sind wir dann beim Pferd gelandet.“ Das war im Jahr 1975. Heute ist sich Qualitz sicher: „Wenn es die Pferde in Lübars nicht mehr gäbe, dann könnten wir zumachen.“ Der Pferdesport sei die einzige Möglichkeit, in der Großstadt Landwirtschaft zu betreiben, sagte auch Axel Gericke, der Vorsitzende des Berliner Landesverbandes für Gartenbau und Landwirtschaft. Etwa 80 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe im Land hätten inzwischen „mit Pferden zu tun“. Die Zukunft für Landwirte in Berlin liege eindeutig in der Pferdehaltung.

Vom Hufschmiedehandwerk bis zu Pferdekrankheiten erfuhren die Messebesucher am Freitagvormittag alles zu den Vierbeinern – nur auf ein echtes Pferd warteten sie vergebens. Eine Showquadrille gab es trotzdem: zu Fuß, gelaufen von den „Berliner Asphalt Cowboys“. Die hatten sich ihre Pferde, braun und aufblasbar, kurzerhand umgehängt.

Berliner Reiterhöfe im Internet: www.reiten-in-berlin.de

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