Grüne Woche : Auf die Mischung kommt’s an

Vom Apfelbier zur Chiligurke: Brandenburger Aussteller präsentieren ihre kulinarischen Erfindungen.

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Die Heimat ruft. Wer sich in der Länderhalle Brandenburgs von Stand zu Stand vorarbeiten will, sollte angesichts der...Foto: dpa

Die Gurke schmeckt süß wie Honig, der Käse wie Bier und der Sekt erinnert an die letzte Kürbissuppe. Auch wenn so mancher Besucher bei diesen sonderbaren Mischungen das Gesicht verzerrt, haben die Erfinder in der Brandenburghalle 21a schon ihr Ziel erreicht. „Wir kommen mit den Besuchern ganz locker ins Gespräch, scherzen miteinander und machen am Ende meistens ein Geschäft“, sagt Renate Schultz, die mit Mann und Sohn seit 1991 in Werder eine Obstbauwirtschaft mit Privatbrennerei betreibt.

Doch wie kommt man auf die Idee, Käse mit Bier zu verbinden? „Wir haben schon eine ganze Zeit geforscht und probiert“, sagt Uta Gerlach aus der Bauernkäserei Wolters aus der Uckermark, die einen „Klosterkaas“ zum Kosten anbietet. „Der Name zeugt von unserer Kooperation mit der Klosterbrauerei Neuzelle, von der wir Hopfen und Malz beziehen.“ Die dunkle Farbe stamme vom braunen Malz.

Eigene Kreationen liefert auch die Neuzeller Klosterbrauerei in Ostbrandenburg. Da sie ihrem Gebräu Zuckersirup beimischt, untersagte das Agrarministerium lange Zeit die Bezeichnung „Bier“. Erst das Bundesverwaltungsgericht erlaubte die Abkehr vom Reinheitsgebot. Auf der Grünen Woche heißt der neue Schlager nach dem Erfolg des Kirschbieres nun Apfelbier. „Wir mischen naturtrübes Apfelsaftkonzentrat bei, wobei das Verhältnis unser Geheimnis bleibt“, sagt der Chef des Familienbetriebes, Stefan Fritsche. Der Alkoholgehalt von 4,8 Prozent bleibe aber bestehen.

Ganz andere Mischungen offeriert Sofija Radojkovic aus Werder. „Die besten Eigenschaften des Mandelöls aus Mallorca verbinden wir mit dem hohen Vitamin-C-Gehalt des Sanddorns aus dem nahen Petzow“, sagt die Inhaberin der Ölmühle aus der Havelstadt. „Wir können es nicht nur als liebliches Speiseöl, sondern auch als Hautpflegemittel empfehlen.“ Wer die Grüne Woche verpasst, kann mit der Öl-Frau sonnabends auf dem Mexikoplatz in Zehlendorf ins Gespräch kommen.

Mit Kurfürstlichem Beistand wirbt Bäckermeister Karl-Dietmar Plentz aus Schwante für sein Kartoffelbrot aus hellem Roggen. „Die Landesgartenschau in Oranienburg lebt schließlich im kommenden Frühjahr wieder auf, wenn auch auf etwas kleinerem Niveau“, sagt Plentz. „Da sind wir mit anderen kleinen Betrieben natürlich wieder mit dabei, auch mit Neuheiten.“

Selbst mit dem wohl typischsten Brandenburger Produkt, der Spreewaldgurke, wird fleißig experimentiert. „Wir haben einmal Cornichons mit Wildblütenhonig versetzt und sind einfach von der süßen Note fasziniert“, sagte Ute Engelmann vom Spreewaldhof Golßen. „Wer’s schärfer will, greift zu Gurken mit Chili.“ Zur Abkühlung der Geschmacksnerven empfiehlt sich ein in Lübbenau entwickelter Brotaufstrich aus einem Holunder-Kirsch-Mandel-Gemisch.

Erfahrungsgemäß überleben weniger als zehn Prozent der Neuheiten die Grüne Woche. Dann verschwinden die Rezepte wieder in der Schublade. Mehr als einen Sommer dürfte die auf dem gestrigen Brandenburg-Tag von Ministerpräsident Matthias Platzeck als „Balkonpflanze des Jahres“ vorgestellte „Winkende Versuchung“ überdauern. „Es handelt sich um eine Neuzüchtung, die nicht nur im Halbschatten, sondern auch in der prallen Sonne wunderbar wächst“, schwärmte Gärtnerin Sylvia Schulz aus Stechau im Kreis Elbe-Elster. „Sie braucht wenig Pflege und treibt in Kästen oder Blumenampeln ganz wunderbare Blüten.“ Claus-Dieter Steyer

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