Berlin : Grüne Woche: Der Akademiker-Landwirt

Herr Kemper[Sie sind gelernter Chemielehrer. Ihr]

Was halten Bauern von ihrem Beruf? Auf der Couch: Heinrich Kemper, 52. Seit 26 Jahren führt er einen 130 Hektar großen Ackerbaubetrieb im Teutoburger Wald.

Herr Kemper, Sie sind gelernter Chemielehrer. Ihr Sohn, der Ihren Hof einmal übernehmen wird, studiert Recht. Haben es Akademiker-Bauern leichter im Stall?

Das Wissen in der Landwirtschaft hat eine Halbwertzeit von sieben, acht Jahren. Es verfällt fast so schnell wie in der EDV. Da braucht man schon Intelligenz und Bildung.

Zum Zäune ziehen und Vieh treiben?

Man muss einen Betrieb führen und oft über Jahre hinaus planen. Das ist ja das Schöne am Bauer-Sein, die Abwechslung zwischen einfacher Arbeit und strategischer Planung. Auf dem Schlepper sitzen, den Pflug hinter sich her ziehen und sich gleichzeitig den Kopf zerbrechen, das gefällt mir.

Was denken Sie beim Pflügen?

Ich denke da nicht nur. Ich freue mich dann auch. Der Geruch des frisch gepflügten Feldes im Frühjahr, der ist toll. Sie drehen sich um und sehen, was sie getan haben, sehen den Erfolg ihrer Arbeit. Das ist die ausgesprochen positive Seite der Landarbeit. Die negative ist, dass ich in der Landwirtschaft mit dem, was ich im Kopf habe, vergleichsweise wenig erreiche. Woanders würde ich dafür, dass ich meinen Kopf einsetze, mehr Geld bekommen.

Und die, die das wissen, verlassen die Höfe. Sie haben Ihren Sohn aber dazu gebracht, auf Ihrem Hof weiterzumachen.

Das ist meine Lebensaufgabe gewesen. Ich habe ihn begeistern können. Und ich habe ihn Heinrich genannt. Mit dem Namen ist er jetzt der neunte Hofbetreiber in Folge.

Sie sind Ackerbauer und damit ein Glückspilz. Sie sitzen nicht wie ihre Kollegen von der Rindermast auf ihrer Ware.

Ich spüre die BSE-Krise auch. Die Preise für mein Getreide müssten im Winter eigentlich steigen. Aber sie stagnieren. Ich verkaufe Getreide ja vor allem an die, die damit ihre Schweine und Rinder mästen. Und die haben wenig Geld zur Zeit.

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