Berlin : Grüne Woche: Der Bauer mit dem Kleinkraftwerk

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Um Strom aus Jauche zu gewinnen, um die marode Land- zur florierenden Energiewirtschaft aufzurüsten, also um einfach Mist zu Geld zu machen, steigt Bernhard Kloas schon mal mit Atemschutz ins Güllefass. Anders formuliert: in den Bioreaktor. Rührt mit den Händen im sämigen Faulschlamm auf der Suche nach dem verdammten Abflussventil, das seiner Bestimmung nicht gerecht werden will. Kloas ist ein wettergehärteter Landmann um die 50, kann auch bei Schneesturm und scharfem Wind unermüdlich über Absurditäten angeblich moderner Technik berichten und weiß, dass alles ein gutes Ende nehmen wird, wenn man nur unerschütterlich dran glaubt.

Der Bauer der Zukunft wird ein Mensch mit umfassender Bildung sein: Marketingexperte, Finanzjongleur, Naturschützer, Anlagenbauer, Elektrotechniker und Ernährungsfachmann. Kloas ist diplomiert und war schon in der Schule in Sport und Mathe Ton angebend. Alles Weitere ist Improvisation und Intuition. Seit 1999 ist Landwirt Kloas aus Groß Radden bei Lübbenau auch "Energiewirt"; das sind an der norddeutschen Küste vor allem Windmüller, im Süden eher Wassermüller und zwischendrin Biogasproduzenten. In Brandenburg gibt es bereits 10 Anlagen, die Jauche und pflanzlichen Abfall vergären und die entstehenden Faulgase verstromen. Zwei Anlagen liegen derzeit still, die übrigen acht liefern 0,14 Prozent des brandenburgischen Strombedarfs. Da die eingespeiste Kilowattstunde per Gesetz mit 20 Pfennig honoriert wird, lohnt sich der Aufwand.

Für Kloas war nur eines entscheidend: Die Versorgung seiner 200 Schweine mit Luft, Wärme und Futter kostete ihn 30 000 Mark im Jahr. Den dafür nötigen Strom produzieren seine Sauen und Ferkel jetzt quasi selbst. Kloas Biogasanlage verschlang nach verschiedenen Anbauten bisher rund eine Million Mark. In drei Jahren soll das Geld wieder eingespielt sein - wenn alles weiter läuft wie bisher. Monatlich bringt die Anlage brutto rund 20 000 Mark ein, aber so vollautomatisch, wie es die Herstellerfirma anpries, läuft die Sache leider nicht. Die Fäulnisbakterien bilden eine heterogene Gesellschaft, deren Zusammenhalt eine bestimmte Prozesstemperatur und wohl dosierte Gaben fester Zusatzstoffe wie Mais-Silage oder Tabakhäcksel erfordert. Es dauert schon mal ein Jahr, bis man das richtige Händchen hat, um "seine Bakterien zu füttern", sagt Kloas. Macht der Bauer einen Fehler, kommt es im Reaktor zum Gau: Milliarden von Bakterien vergiften sich gegenseitig und die Gasproduktion versiegt. Erst nach sechs Wochen ist das sensible Ökosystem wieder betriebsbereit. Zur Gau-Prävention wirft Kloas jeden Tag, manchmal sogar nachts, alle paar Stunden einen kritischen Blick durch ein Bullauge ins Innere der Betonschüssel. "Wie Sahne muss das aussehen." Wer die angereicherte Gülle immer nur als braune Ekelsoße erkennt, hat als Energiewirt versagt. Und wer keinen Forscherdrang zeigt, erst recht.

"Jede Biogasanlage ist ein Unikat", sagt Kloas. Für seine trifft das besonders zu. Zum Beispiel das "BHKW", wie es an der Stalltür geschrieben steht, also das Blockheizkraftwerk, das die Faulgase in Strom und Wärme umwandelt. Es besteht aus einem ausgebauten Lkw-Motor, einem ausgebauten Treckermotor, zwei angeschlossenen Generatoren, einem Wärmetauscher, der mit der Kühler-Abwärme heißes Wasser produziert und einer Strom-Einspeisetechnik. Von den Relais und Filtern versteht Kloas nicht viel, dafür umso mehr von den Motoren. Die sind nach ein paar Jahren zuschanden wegen der aggressiven Gase. Im Großen betrachtet steckt die Biogas-Nutzung noch in den Kinderschuhen, räumt der brandenburgische Bauernverband ein. "Bauern sind sowieso nicht die Schnellsten. Die schicken immer erst jemanden vor, um zu sehen, ob das klappt", sagt Verbandssprecher Holger Brantsch. Gegenwärtig werden nur vier Prozent des möglichen Potenzials genutzt.

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