Berlin : Grüne Woche: "Es ist schwer auszuhalten, als Täter dazustehen"

Macht den Bauern die Rolle als Buhmann zu schaffen

Macht den Bauern die Rolle als Buhmann zu schaffen? Würden sie noch Landwirt werden wollen? Der Tagesspiegel setzt jeden Tag einen Bauern auf die Couch. Heute: Berndt Tietjen, 30. Er betreibt in Niedersachsen einen Hof mit 70 Kühen.



Herr Tietjen. Sie leben davon, Kuhmilch zu produzieren, verkaufen aber auch Rinder an Schlachtbetriebe. Müssen wir Mitleid mit Ihnen haben?

Wieso sollten Sie, mir passiert ja nichts. Die drei Schlachtkühe, die ich in der letzten Zeit als Schlachtvieh verkauft habe, hatten kein BSE. Aber im Grunde haben Sie Recht mit Ihrer Frage. Wir Milchbauern sind nicht die Bösen, im Gegenteil. Wir sind die Betroffenen der Rinderseuche. Es ist für mich und meine Kollegen im Moment schwer auszuhalten, als die Täter dazustehen.

Bereuen Sie Ihre Berufswahl?

Nein. Ich bin gerne Bauer, auch heute. Ich kann mein eigener Herr sein. Ich habe keinen Chef und arbeite an der frischen Luft. Das sähe vielleicht anders aus, wenn ich nicht in einen Bauernhof hineingeboren worden wäre.

Sie haben den Hof vom Vater übernommen?

Unsere Familie bewirtschaftet ihn in der siebten Generation.

Wann werden die Leute die Bauern wieder mögen?

Das ist schwer zu sagen. Es wird davon abhängen, wie viele BSE-Fälle noch aufgedeckt werden und davon, wann die Medien sich wieder anderen Themen zuwenden. Die Diskussion um die Seuche muss wieder sachlicher werden.

Sie befürchten Hysterie. Fürchten Sie sich vor der neuen Ministerin?

Ich habe Frau Künast zusammen mit 250 Kollegen aus dem Landkreis Stade einen Brief geschrieben. Das ist ein sehr freundlicher Brief. Wenn sie Lust hat, unsere Betriebe zu besuchen, dann laden wir sie sehr herzlich dazu ein.

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