• Grüne Woche: In Kreisläufen denken, von Anfang bis Ende - Bauer Hans-Benno Wichert im Gespräch

Berlin : Grüne Woche: In Kreisläufen denken, von Anfang bis Ende - Bauer Hans-Benno Wichert im Gespräch

Herr Wichert[Sie züchten Schweine. Sie geh&o]

Auf der 66. Grünen Woche ist das Informationsbedürfnis der Besucher ähnlich groß wie ihre Lust auf Häppchen und Getränke. Sie stellen Fragen an die Bauern, und die Landwirte suchen den Kontakt zu ihren Kunden. Wie steht es derzeit um die Bauern? Wie reagieren Sie? Der Tagesspiegel setzt jeden Tag einen von ihnen auf die Couch und befragt ihn. Heute ist es Hans-Benno Wichert. Er betreibt eine Schweinezucht in Süddeutschland in der Nähe von Ulm. Er produziert junge Eber und Sauen, die er an andere Höfe weiterverkauft.



Herr Wichert, Sie züchten Schweine. Sie gehören, wenn man will, zu den Guten. Die Bösen sind die Rinderzüchter. Denen kauft gerade niemand etwas ab. Frohlocken Sie?

Ich frohlocke nicht. Wir Bauern sitzen alle in einem Boot. Den Satz hört man ja jetzt häufig, aber er stimmt auch. Die ganze Landwirtschaft ist betroffen von der Rinderseuche, der Wurstverbrauch insgesamt ist zurückgegangen. Das merken natürlich auch wir Schweinezüchter.

Warum sind Sie Landwirt geworden?

Meine Eltern hatten keinen Hof. Den Beruf habe ich in den Schulferien kennengelernt. Gefallen hat mir immer, dass man in der Landwirtschaft in Kreisläufen denkt, vom Anfang bis zum Ende. Das geht ja in der Gesellschaft insgesamt immer mehr verloren, deshalb haben wir ja auch so viele Probleme. Irgendwann habe ich dann den Hof meines Onkels und meiner Tante übernommen.

Mit Verlaub, das klingt ziemlich hochgestochen. Das wollen Sie in den Ferien auf dem Bauernhof, als Kind, gedacht haben?

Natürlich gibt es auch emotionale Gründe, die dafür sprechen, Bauer zu werden. Mit der Natur zu arbeiten, das ist nicht nur rational. Es macht mir Spaß, mit Tieren umzugehen, zu sehen, wie die Natur funktioniert und wie ich sie beeinflussen kann.

Sie sehen, wie so viele Bauern auf der Grünen Woche, nicht aus wie ein Bauer. Sie tragen Anzug und Krawatte. Warum?

Auch Ihretwegen, gewissermaßen. Es gefällt mir eben nicht, wenn wir überall als Mistgabelhalter mit Stallgeruch dargestellt werden.

Haben Sie keine Mistgabel?

Natürlich habe ich eine. Nur eben nicht immer dabei.

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