Grüne Woche : Platzecks Favoriten

Beim Brandenburgtag auf der Grünen Woche zeigten die Bauern aus der Region gestern ihren Einfallsreichtum. Das Land Brandenburg hat auf der Messe einige Neuheiten zu bieten

Claus-Dieter Steyer
Platzeck
Prüfender Blick: Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) betrachtet an einem Biostand auf der Grünen Woche Saft. -Foto: dpa/ZB

BerlinSpreewälder Leberwurst mit Erdbeeren, Chicoree-Brand, Meerrettichbockwurst, Speckeis oder Stutenmilch mit Marzipangeschmack: Manche der insgesamt 40 Neuheiten aus dem Land Brandenburg klingen wie eine Mixtur aus dem Labor. Die Besucher auf der Grünen Woche stört das aber nicht, neugierig drängeln sie sich in Halle 21 a um die Gratisproben. Beim gestrigen Brandenburgtag auf der Messe hatte allerdings einer den Vortritt beim großen Kosten – Ministerpräsident Matthias Platzeck. Er stattete den 150 Ausstellern einen Besuch ab, die ihn jeweils mit vollen Tellern und Gläsern begrüßten.

Nach einem mehrstündigen Marathon stand für Platzeck der Favorit fest. „Das Bullenbrot von Bäckermeister Plentz schmeckt nicht nur, es spart auch viel Zeit“, sagte er. „Da braucht man sich nichts mehr auf die Stulle zu schmieren, denn der Schinken ist ja schon im Teig drin.“ Für eilige Menschen wie ihn sei das genau das Richtige. Der in Schwante am nördlichen Berliner Stadtrand ansässige Bäcker Karl-Dietmar Plentz gibt sein Brot nur nach einer eindrucksvollen Prozedur in der Halle ab. Mit einem gekonnten Handgriff drückt er ein glühendes Eisen auf die Kruste, so dass ein Bullenkopf als Markenzeichen zurückbleibt. „Jetzt kann jeder sicher sein, dass er ein Weizenmischbrot mit Schinkenstücken von schottischen Hochlandrindern in den Händen hält“, erzählt der 41-Jährige, der den Messebesuchern im Vorjahr Straußeneierlikör-Sahnetörtchen und Ringelblumenbrot servierte. Die Rinder, die den Schinken für das Bullenbrot liefern, weiden übrigens unweit der Bäckerei.

„Genau diese Regionalität ist das Erfolgsrezept für die meisten Brandenburger Produzenten“, lobte Agrarminister Dietmar Woidke (SPD), der Platzeck zusammen mit Kulturministerin Johanna Wanka (CDU) auf dem Rundgang begleitete. „Die Menschen verlangen heute eine Top-Qualität bei Lebensmitteln, die unsere Bauern liefern können.“ Das erkläre nicht zuletzt den Aufschwung bei Bioprodukten.

Nach Angaben der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau (FÖL) werden mittlerweile 9,7 Prozent der gesamten Anbaufläche in Brandenburg von Biobauern bewirtschaftet. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 4,6 Prozent. „Immer mehr Verbraucher sind bereit, für ökologisch produzierte Lebensmittel mehr Geld auszugeben“, erklärte FÖL-Geschäftsführer Michael Wimmer. Derzeit könnten die Brandenburger Biobauern aber dennoch nur zu 20 Prozent den Bedarf in Berlin decken. Lediglich bei Brot und Brötchen, Frischmilch und im Sommer bei Obst und Gemüse käme die Mehrzahl der verkauften Bioprodukte aus der Region.

Matthias Platzeck greift aus einem einfachen Grund nach ökologisch hergestellten Erzeugnissen. „Die Produzenten gehen mit den Ressourcen vernünftig um“, sagte er und kostete ein Teltower Rübchen. Für ihn sei die Landwirtschaft mit derzeit 10 000 Beschäftigten eine Erfolgsbranche. „Hier gab es in den letzten 15 Jahren kaum eine Insolvenz.“ Das liege nicht zuletzt am Erfindungsreichtum der Bauern, für die die Grüne Woche alljährlich ein unverzichtbarer Test sei.

Besonderes Glück hatte Kulturministerin Johanna Wanka im Kochstudio mit Restaurantchef Knut Diete aus Wittenberge. Ursprünglich wollte er mit ihr Rumpsteak mit Matjesfilet oder Kartoffeln in Orangensauce zubereiten. Doch mit Rücksicht auf die leidenschaftlich gern kochende Ministerin entschied er sich für einen gefüllten und in Apfelwein geschmorten Schweinerücken. „Das klingt wenigstens nicht ganz so verrückt“, meinte Wanka.

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