• Grüne Woche: "Städter wollen Schafe streicheln" - Der pensionierte Hofchef Heinrich Deppe im Gespräch

Berlin : Grüne Woche: "Städter wollen Schafe streicheln" - Der pensionierte Hofchef Heinrich Deppe im Gespräch

Herr Deppe[Sie sind ausgebildeter Landwirt. Muss]

Macht den Bauern die Rolle als Buhmann zu schaffen? Würde ein Landwirt sich heute auch noch für diesen Beruf entscheiden? Der Tagesspiegel setzt jeden Tag einen Bauern auf die Couch und fragt ihn aus. Heute: Heinrich Deppe, 64. Er ist seit zwei Wochen Pensionär. Davor leitete er den 230 Hektar großen Lehrbauernhof der Tierärztlichen Hochschule Hannover.



Herr Deppe, Sie sind ausgebildeter Landwirt. Muss einen jungen Menschen heute der Teufel reiten, wenn er diesen Beruf erlernen will?

Da ist etwas dran. In der Landwirtschaft werden immer weniger junge Leute ausgebildet, die Zahl der Arbeitsplätze sinkt. Schon allein wegen der Rinderseuche wird es in Zukunft nicht einfacher werden.

Wann sollte einer trotzdem Bauer werden?

Zum Beispiel wenn er tierlieb ist. Ich habe mich seinerzeit deswegen für das Landwirt-Dasein entschieden.

Tierlieb, sind Sie das am Ende Ihres Berufslebens auch noch?

Ja. Ich würde heute wohl auch wieder Landwirt werden müssen, wenn ich jung wäre.

Auf ihrem Lehrgut werden Tierärzte ausgebildet. 90 Prozent der jungen Menschen, die bei Ihnen diesen Beruf erlernen wollen, sind Städter, nur jeder zehnte kommt vom Land. Das Verhältnis war einmal umgekehrt. Ist die Tierliebe vom Land verschwunden?

Vielleicht haben die Städter beim Kümmern um ihre Hobby-Tiere mehr davon entwickelt. Das sieht man ja auch hier auf der Messe, alle wollen Schafe streicheln. Die Städter haben auch die besseren Zensuren. Der Numerus Clausus für das Tierarztstudium liegt bei 1,3.

Die Stadtmenschen streicheln die Kühe, wenn sie einmal welche sehen. Die Landleute stattdessen stellen die Rinder auf Gitterroste und geben ihnen Tiermehl zu fressen. Sind Städter die besseren Bauern?

Es ist möglich, dass die Tierliebe auch bei den Landwirten eine Renaissance erleben wird. Auch die vom Land haben Mitleid mit der Kreatur, das sieht man jetzt auch wieder bei den Bauern, denen ganze Rinderherden weggeschlachtet werden sollen.

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