Berlin : Grüne Woche: Trauben und Wohlgefühl

Herr Knab[wirken aber nicht so],Sie sind Landwirt[wirken aber nicht so]

Wie steht es derzeit um die Bauern? Was erzählen Sie von sich? Heute auf der Couch: der Winzer Oliver Knab aus Worms. Er ist 33 Jahre alt und bewirtschaftet seit eineinhalb Jahren das zehn Hektar große Weingut seiner Familie in Rheinhessen.



Herr Knab, Sie sind Landwirt, wirken aber nicht so. Sie verteilen Visitenkarten, haben eine Website im Internet und Sie tragen einen eleganten Anzug ...

Wir sind hier schließlich auf einer Messe. Jeder andere Berufsstand präsentiert sich ja auch hin und wieder und hat Kontakt mit Leuten. Da darf auch ich eine Karte und einen Anzug haben.

Was tragen Sie bei der Arbeit?

Ich bin Winzer, auf dem Weinberg habe ich meine Küferbluse und Jeans an und im Keller Gummistiefel.

Darf man Bauer sagen zu einem Winzer?

Ja, Weinbauer. Mein erlernter Beruf heißt genau: staatlich geprüfter Techniker für Weinbau und Kellerwirtschaft. Das klingt schrecklich, nicht?

Warum sind Sie Weinbauer geworden?

Wein ist wunderbar, finden Sie nicht? Ich habe mich schon als Kind immer gefreut, wenn ich mal trinken durfte. Und außerdem: Unser Betrieb ist ein alter Familienbetrieb, es gibt ihn seit ungefähr dreihundert Jahren, und mein Großvater hat immer zu mir gesagt, dass er fest mit mir rechne. Da musste ich dann wohl.

Weinbauern sind Edelbauern. Sie müssen keinen Mist anfassen, keine Gülle verspritzen und ihr Produkt gilt eher als Kulturgut denn als Nahrungsmittel. Sie sind wahrscheinlich die einzigen Landwirte, denen im Moment niemand böse ist.

Freuen kann man sich darüber nicht. Das tut mir schon weh, wenn ich mir ansehe, wie es der Landwirtschaft jetzt geht.

In BSE-infiziertem Rindfleisch finden sich Prionen. Was ist in Ihrem Wein drin?

Trauben.

Sonst nichts?

Wohlgefühl.

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