Grüne wollen mitregieren : Sticheleien gegen den Wunschpartner

Trotz der Differenzen mit der SPD dominierte auf dem Parteitag der Grünen der Wille zur Macht.

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Für Renate Künast lief es am Freitagabend eigentlich bestens. Sie bekam Blumen und Standing Ovations von den Versammelten.
Für Renate Künast lief es am Freitagabend eigentlich bestens. Sie bekam Blumen und Standing Ovations von den Versammelten.Foto: dapd

Jeder grüne Delegierte musste durch das Spalier aus Gegnern der Autobahn A 100, Gewerkschaftern und Mitgliedern von Energieinitiativen. Schon eine Stunde vor der Grünen-Delegiertenkonferenz versammelten sich am Freitagnachmittag vor dem Eingang der Universität der Künste in der Bundesallee rund 40 Aktivisten und Privatleute wie die Wissenschaftlerin Antje Bischoff, die mit zwei Kindern in Friedrichshain wohnt. „Ich bin gegen den Unsinn, die A 100 weiterzubauen“, sagte sie. Sie hielt ein Schild hoch mit der Aufschrift „Rote Karte für grüne Umfaller“. Sie findet, die Grünen hätten in den Sondierungen „härter sein müssen“. Mit der Meinung war sie nicht die einzige vor der Tür.

Drinnen, im Joseph-Joachim-Konzertsaal, war die Stimmung dagegen alles andere als rebellisch. Die heftigen Diskussionen über den Kompromiss fanden in den letzten Tagen in den Kreisverbänden statt. Und kurz vor Beginn des Parteitags entschärfte die Antragskommission zwei Änderungspapiere durch eine elegante Zusammenführung der beiden Anträge.

Die Geschichte der Berliner Stadtautobahnen
Januar 2017, Alltag im Berufsverkehr. Die Stadtautobahn, aufgenommen am Spandauer Damm.Weitere Bilder anzeigen
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17.03.2017 08:24Januar 2017, Alltag im Berufsverkehr. Die Stadtautobahn, aufgenommen am Spandauer Damm.

Parteichef Daniel Wesener sprach von einer „angenehmen, konstruktiven und fairen Gesprächsatmosphäre“ in den Sondierungen mit der SPD. Er machte auch unmissverständlich klar, dass die Grünen keinen Koalitionsvertrag unterzeichnen werden, der den Weiterbau der A 100 festschreibt. „Es geht um die Glaubwürdigkeit.“ Man sei ein „Partner auf Augenhöhe“, sagte Parteichefin Bettina Jarasch.

Beide kritisierten den Umgang der SPD mit dem Kompromiss. Die SPD versuche im Nachhinein etwas hineinzuinterpretieren, was nicht verabredet war. Die Debatte dürfe nicht „ideologisch“ geführt werden, sagte Renate Künast.

Ein paar Spitzen in Richtung SPD konnten sich die Delegierten nicht verkneifen. Lesen Sie weiter auf der nächsten Seite.

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