Berlin : Grüne wollen Tempelhof für die Truppe

Eichstädt-Bohlig: Von der Hardthöhe nach Berlin

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Die Berliner Grünen-Fraktionschefin Franziska Eichstädt-Bohlig schlägt vor, den „weiteren Hauptstadtumzug nach Berlin mit der Nachnutzung des Flughafens Tempelhof zu verknüpfen“. Ihre Idee: In den großzügig angelegten Gebäuden könnte das Bundesverteidigungsministerium, dessen Hauptsitz derzeit noch die Bonner Hardthöhe ist, komplett untergebracht werden. Über 2900 Bedienstete säßen derzeit noch am Rhein, aber nur 326 Mitarbeiter des Ministeriums im Bendlerblock in Berlin.

„Das Tempelhofer Feld bietet passende Gebäude ebenso wie nötige Freiflächen“, sagte Eichstädt-Bohlig dem Tagesspiegel. Geeignet seien vor allem die denkmalgeschützten Bauten. Außerdem sei das Gelände – ehemals ein preußischer Exerzierplatz, dann ein innerstädtischer Flughafen – mit zwei U-Bahnstationen sehr gut ans Stadtzentrum angebunden. Auch die Entfernung zum künftigen Großflughafen BBI in Schönefeld sei „optimal kurz“, ebenso wie zum neuen Fernbahnhof Südkreuz. „Wir Grünen würden uns sogar mit einem Hubschrauberlandeplatz in Tempelhof abfinden.“

Die ehemalige Grünen-Bundestagsabgeordnete und Stadtentwicklungspolitikerin räumt ein, dass ein solcher Umzug ein Projekt „für die nächsten 10 bis 15 Jahre“ sei. Sie geht auch davon aus, dass ein Teil des Tempelhofer Flughafens nach dessen Schließung von privaten Investoren genutzt wird. Dies werde die Bauten aber nicht füllen. „Der Bund und Berlin sind deshalb gut beraten, Tempelhof nicht ausschließlich für privatwirtschaftliche Nutzungen zu verplanen und zu vermarkten“. Ein Teil solle Reservefläche für den Hauptstadtbedarf bleiben.

Theoretisch habe das Tempelhofer Feld sogar Platz für alle 10 146 Beschäftigten der Ministerien, die noch in Bonn ihren Arbeitsplatz hätten, so Eichstädt-Bohlig. Natürlich wolle niemand ein solches „Regierungsghetto“, zumal in Berlins Mitte eine Reihe von anderen Einzelstandorten auf ihre Nutzung warte. Die Grünen-Politikerin geht in jedem Fall davon aus, dass demnächst auch im Bundestag „wieder Schwung in die Debatte um das Berlin-Bonn-Gesetz“ komme. Für Berlin sei der Umzug der restlichen Ministerien in die Hauptstadt von sehr viel größerer Bedeutung als Staatsoper, Schlossplatzbebauung und der Weiterbau der U-Bahnlinie 5 zusammen.

Bisher prüft nur das Bundesinnenministerium ernsthaft, die Flughafengebäude in Tempelhof zu nutzen. Das Mietgebäude in Moabit soll aufgegeben werden. Zeitweilig war auch der Bundesnachrichtendienst (BND) im Gespräch, aber die Geheimdienstler werden einen Neubau in Berlin-Mitte beziehen. So oder so: Die Debatte um den Umzug der Bonner Ministerien nach Berlin hat zu Jahresbeginn neuen Schwung bekommen, da Haushaltspolitiker des Bundestages den doppelten Regierungssitz aus Kostengründen öffentlich in Zweifel stellen – und zwar parteiübergreifend. Bereits im Dezember hatten sich mehrere Ministerpräsidenten für den Umzug der sechs Bundesministerien aus Bonn nach Berlin ausgesprochen, und demnächst wird ein Antrag der Linkspartei zur Komplettierung des Regierungsumzugs in den Bundestagsausschüssen beraten. za

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