Berlin : Grünen-Chefin zieht sich aus Politik zurück Barbara Oesterheld ist an Krebs erkrankt

Sabine Beikler

Für viele Grüne kam diese E-Mail Anfang der Woche überraschend: Die Landesvorsitzende Barbara Oesterheld erklärt in einem Schreiben an die Mitglieder ihren Rücktritt auf dem Parteitag am 19. April. Die langjährige Grünen-Politikerin hat sich mit diesem Schritt nicht leicht getan. Es gibt keine politische Begründung, keine beruflichen Gründe – ihre Entscheidung ist eine sehr private: „Wenn ich eine Zukunft haben will, muss ich mich jetzt um mich selbst kümmern“, sagt sie. Barbara Oesterheld hat Krebs. Ihr „alter“ Krebs sei wieder da, ein neuer hinzugekommen. Die 56-Jährige möchte ausdrücklich offen mit ihrer Krankheit umgehen und anderen Betroffenen Mut machen: „Krebs ist kein Tabu“, sagt sie.

Bereits 2001 wurde bei ihr Brustkrebs diagnostiziert, den sie glaubte besiegt zu haben. „Ich dachte auch gar nicht mehr daran“, sagt sie. Doch im Sommer 2007 bekam Barbara Oesterheld starke Schmerzen. Es wurden neue Metastasen festgestellt. Zurzeit muss sie sich diagnostischen Untersuchungen und Therapien unterziehen. „Ich werde gegen den Krebs kämpfen“, sagt sie. Davon sind auch ihre Parteifreunde überzeugt: „Sie ist die absolute Kämpfernatur“, heißt es unisono.

Von 1995 bis 2006 war die in Kreuzberg geborene und heute noch dort lebende Soziologin Parlamentarierin im Abgeordnetenhaus: Dort war die zum linken Flügel zählende Grüne zuständig für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen. Legendäre Wortgefechte lieferte sie sich mit dem früheren SPD-Bausenator Peter Strieder. Barbara Oesterheld zählt zu den Politikern, die maßgeblich an der Aufklärung der Bankenaffäre Anteil hatten. Ihre profunde Kenntnis zeigte sie regelmäßig in ihren kritischen Zeugenbefragungen im Banken-Untersuchungsausschuss, dem sie von 2001 bis 2006 angehörte.

Nach elf Jahren Abgeordnetenhaus wollte sie „etwas ruhiger treten“, wie sie damals sagte: Erst im vergangenen Frühjahr wurden sie und Irmgard Franke-Dreßler zu den neuen Landesvorsitzenden gewählt. Die beiden teilten sich die Arbeit auf: Oesterheld übernahm die Bereiche Stadtentwicklung, Bau, Wirtschaft, während sich ihre Parteifreundin um Bildung, Jugend, Kultur und Umwelt kümmert. Auf dem Grünen-Parteitag im April soll eine Nachfolgerin von Barbara Oesterheld gewählt werden.

Rund 15 500 Berliner erkranken jährlich neu an Krebs, darunter rund 2300 Brustkrebs-Neuerkrankungen. Im Jahr 2006 wurden 72 000 Krebsfälle in Kliniken behandelt, mehr als 30 000 Tumorpatienten ambulant versorgt. „Krebs ist eine Volkskrankheit“, sagt Barbara Fey, Geschäftsführerin der Berliner Krebsgesellschaft. Je früher Krebs erkannt werde, desto größer die Heilungschancen.

Trotz ihrer Therapien will Barbara Oesterheld die Politik weiterverfolgen – „aber nur so weit, dass ich mich nicht ärgere. Ich werde schon dafür sorgen, dass es mir gut geht“. Sabine Beikler

0 Kommentare

Neuester Kommentar