GRÜNES Rathaus (15) : Künast-Kolumne: Auf dem roten Teppich

Was hätte Renate Künast als Regierende zu erzählen? Stefan Stuckmann erfindet ihre Briefe an die Wähler.

Stefan Stuckmann

als vor ein paar Tagen Berlinale-Chef Dieter Kosslick anrief, hab ich zuerst gedacht, ich kriege endlich den Goldenen Bären für meinen Kurzfilm aus dem letzten Wahlkampf: „Berlin – nachhaltige Symphonie einer multikulturellen Großstadt (mit ausgeglichenem Haushalt)“. Leider meint Dieter, der Schnitt wäre ihm zu nervös – mit meinem VHS-Rekorder kann man halt nur sekundengenau stoppen, und das Scart-Kabel hat einen Wackelkontakt. Ich habe drei Tage gebraucht, bis ich mit dem Timing bei der Verfolgungsjagd wenigstens so einigermaßen zufrieden war, und dann musste ich auch noch Dirk Behrendt rausschneiden, der sich als Energiesparlampe verkleidet hatte. Na ja: Kill your darlings, wie wir Filmleute sagen.

Dieter wollte sich die Zeit nehmen, um mir und meinem Kultursenator Christopher Lauer einen kleinen Vorgeschmack auf das Berlinale-Programm zu geben, und da haben wir uns natürlich sofort die 3D-Brillen aufgezogen und sind mit der U 2 zum Potsdamer Platz gefahren. Auf dem roten Teppich bin ich dann noch mal rechts abgebogen, um mir eine große Tüte Popcorn und Eiskonfekt zu kaufen. Ich sag’s ja immer: Vegetarisches Essen kann richtig lecker sein. Und wie ich dann das Popcorn in Empfang nehme und mich umdrehe, wer steht da vor mir? Robert Pattinson! Wenn ich eines gelernt habe in meinem Leben als Spitzenpolitikerin, dann ist es das: günstige Momente erkennen und blitzschnell zuschlagen. Ich habe dann so getan, als würde ich über eine Teppichfalte stolpern und mich genau in Robbies Arme gestürzt. Als ich ihm zehn Minuten später die Nacho-Flecken von der Hose putze, erzähle ich ihm ganz nebenbei, dass ich ein großer Fan seiner Twilight-Filme bin. Wie subtil er den Vampir als Allegorie zur Erdölindustrie anlegt – großartig! Robbie hat sich wahnsinnig gefreut, dass endlich mal jemand erkennt, dass die Mainstream-Elemente nur eine Folie sind, um versteckte Konsumkritik ... Und genau in dem Moment taucht Christopher wieder auf! Setzt sich zwischen uns und erklärt Robbie, dass Hollywood ja ganz okay, aber eigentlich die Politik die höchste Kunstform sei. Ganz ehrlich? Nächstes Mal gehe ich wieder mit Claudia Roth ins Kino – die ist der bessere Wingman.

Ich habe dann heimlich Christophers Kinokarte abgerissen und mir alleine den Maggie-Thatcher-Film angeschaut: Ein bisschen wie „Der Pate“, nur dass Don Corleone eine Frau ist, schwarzen Tee trinkt und ständig vergisst, wo sie den abgestellt hat. Von mir gibt es drei grüne Daumen! Und wenn Sie da rein gehen, achten Sie doch mal drauf: Meryl Streep sieht mir vom Profil her total ähnlich. Wenn man der die Haare kurz schneiden würde, dann ... Nur mal so als Idee.

Bis bald, Ihre

Renate

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