GRÜNES Rathaus (6) : Künast-Kolumne: Til Schweiger

Was hätte Renate Künast als Regierende zu erzählen? Stefan Stuckmann erfindet ihre Briefe an die Wähler.

Stefan Stuckmann

Liebe Berlinerinnen, liebe Berliner,

die Stadt ist wieder sicher! Das monatelange Ringen um den neuen Polizeipräsidenten – ich hab’s beendet. Hab auf den Tisch geschlagen, beide Kandidaten zusammen in einen Raum gesperrt und den Schlüssel weggeworfen. Am nächsten Tag hat Baumi, mein geschätzter Verkehrssenator von den Piraten, zwei Aufsichtsratsverträge für die BVG unter der Tür durchgeschoben, und schwupps war der Weg frei für einen neuen, unbeschädigten Kandidaten. Einen, der mehr zu uns passt. Denn ganz ehrlich: Diese zwei anderen da, die muffelten irgendwie. Nach Wowi.

Ich hab mich dann in Ruhe hingesetzt und das Telefonbuch nach geeigneten Kandidaten durchforstet. Und das, was ich Ihnen jetzt präsentieren kann, das ist die ganz große Lösung. Eine starke Persönlichkeit mit Strahlkraft weit über die Grenzen unserer Hauptstadt hinaus. Jemand, der sich in Berlin auskennt, wohlfühlt und vor allem in den letzten Wochen ein glaubwürdiges Interesse an moderner Polizeiarbeit bewiesen hat: Til Schweiger.

Til ist ein Menschenfänger, ein geborener Anführer, dessen stahlblaue Augen nicht verbergen können, dass in seinem austrainierten Körper eine warmherzige, verständnisvolle Seele haust. Gleich bei unserem ersten Treffen an der Bar im Soho House umreißt er auf einer Serviette die Grundzüge seiner Sicherheitspolitik. Wahnsinn, wie viel wir gemeinsam haben. Til ist ein Mann mit starken Armen, die sanft zupacken können, und damit genau der Richtige für kommende Gentrifizierungs-Unruhen vor veganen Supermärkten. Schon nach fünf Minuten fühle ich mich deutlich sicherer als zuvor, und weil ich als Regierende Bürgermeisterin ja quasi die demokratisch legitimierte Inkarnation von Berlin bin, weiß ich sofort: Er ist auch für Sie der Richtige!

Einen Schwerpunkt wird Til auf die Förderung junger Frauen in Polizeiberufen setzen – eine Initiative, die ich gerade wegen meiner eigenen Vergangenheit als junge Frau nur unterstützen kann. Neuste Forschungsergebnisse belegen außerdem, dass Polizistinnen ihren männlichen Kollegen nicht nur in Sachen Empathie und Bauchgefühl überlegen sind, sondern auch im handfesten Alltag alkoholgetränkter S-Bahn-Schlägereien. Denn Frauen sind zwar schwächer als Männer, dafür aber flink und zudem flexibel in der Auslegung altmodischer Nahkampfregeln wie „nicht kneifen“ oder „nicht in die Augen“.

Von meinem letzten Kinobesuch weiß ich außerdem von Tils Erfahrungen in der nachhaltigen Bekämpfung rechtsextremer Gewalt – immerhin einem der Hauptprobleme deutscher Großstädte neben Luxussanierern und Bierbikevermietern. Und das Beste ist: Til macht den Job umsonst. Es läuft nur ab und zu mal jemand mit einer Kamera mit. Aber das kenne ich ja schon – von meinen Piraten.

Bis bald, Ihre

Renate

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