Berlin : Grünkohlkönig Manfred I.

Oldenburger bescherten Stolpe einen seltenen Moment zum Feiern

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Guido Westerwelle wurde gestern Abend abgewählt – der Oldenburger Grünkohlkönig 2003 musste den Schweineorden an Manfred Stolpe abgeben. Mit der Wahl des glücklosen Bundesverkehrsministers zur Kohlmajestät 2004 praktizierten die Niedersachsen in Berlin das, was der Bürger Bestechung nennt. Bürger waren aber nicht zum 47. „Defftig Ollnborger GröönkohlÄten“ in die niedersächsische Landesvertretung eingeladen, sondern Minister und andere Politprominenz auf Bundes- und Landesebene – allen voran Bundespräsident Johannes Rau als Schirmherr über „das große Fressen“.

Wie in jedem Jahr häuften die Oldenburger dazu ihren etwa 200 Gästen auf die Teller, was sie traditionell von daheim mitbrachten: Berge des krausköpfigen Gewächses, das im „Land mit Weitblick“ nach dem ersten Frost als Nationalgericht vertilgt wird. Dies seit 1586, da ist in Oldenburg erstmals ein Grünkohlessen urkundlich erwähnt. Das ist eigentlich gesund. Die Vitamin-C-reiche Kost wird erst durch Schweinereien wie Kassler, Speck und „Pinkel“ – so heißt im Grünkohlland die Grützwurst – zur Kalorienbombe, die gestern mit viel Bier und Korn heruntergespült wurde.

Kohlmajestät wird, wer beim „Gröönkohl- Äten“ am meisten vertilgt. Damit nehmen es die Oldenburger aber nie so genau – Angela Merkel (2001) und Otto Schily (1999) waren in der Vergangenheit nicht die Einzigen, die nicht so richtig in den Kohl reinhauten und trotzdem Grünkohlkönig wurden. Auch mit der Wahl gehen die Oldenburger eher lax um – der 47. Grünkohlkönig wurde den Fotografen schon präsentiert, bevor ihn das so genannte Kurfürsten-Kollegium gewählt hatte – aktuell unter Vorsitz des Ex-Landwirtschaftsministers Karl-Heinz Funke.

Grünkohlkönige wählen die Oldenburger seit 1956. Der damalige Bundespräsident Theodor Heuss brachte sie auf die Idee. „Geht dorthin, wo entschieden wird, und bringt was mit“, soll er gesagt haben. 40 Jahre lang schleppten die Oldenburger fortan ihren Kohl nach Bonn – seit 1998 nach Berlin. Die Abfüllung von Regierungsvertretern hat sich ausgezahlt – laut Gerücht steht der Oldenburger Stadtautobahnring mit einem Grünkohlkönig in Zusammenhang.

Auch auf den „47.“ gründen sich Hoffnungen. Oldenburg braucht „oberste Hilfe“, um des Verkehrs Herr zu werden, den künftig der neue Tiefwasserhafen in Wilhelmshaven mit sich bringt. Probleme hat die 47. Kohlmajestät aber schon genug – nicht nur mit dem Lkw-Maut-Spektakel ist Verkehrsminister Manfred Stolpe in der Schusslinie. Dass da der Kohl an ihn verschwendet sei, befürchteten gestern einige Oldenburger. hema

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