Berlin : Grüße aus der Stadt der Engel: Der Botschafter am Mikro

"Die Shark-Bar fand ich toll." Wenn er über Berlin spricht, kommt Frank Mottek ins Plaudern. Doch er muss wieder auf Sendung gehen, im Studio des Nachrichtensenders CBS am Columbia Square, Hollywood. "This is Frank Mottek for KNX Newsradio 1070." Ob Mauerfall, Luftbrückenjubiläum oder Hauptstadtplanung: Bei der größten Nachrichtenstation der Weststaaten berichtet der 38-jährige Radio- und Fernsehmoderator oft über Berlin. Derzeit entwirft er eine Internetseite als Kontaktbörse für Vertreter der Film- und Medienbranche.

"Ich hatte gerade eine wonderfull time in Berlin", erzählt Frank. Mottek beteiligt sich seit Jahren an dem Austausch mit Berliner Radiosendern, die Rias-Veteran Jürgen Graf begründete. Berlin ist für ihn wie eine zweite Heimat - schließlich stammen seine Eltern von dort. Geboren in New Jersey, aufgewachsen in Florida, ging er mit 16 Jahren zum Radio nach Miami. Inzwischen hat er wie sein Sender unzählige Awards errungen. Immer wieder nahmen ihn die Eltern mit nach Deutschland. "1972 war ich mit meinem Vater, der aus Kreuzberg stammt, in München bei den Olympischen Spielen. Unvergesslich." Später zog es Frank beruflich auch nach Berlin. So berichtete er etwa von den Feiern zum 50. Jahrestag der Luftbrücke live für NCBS. Zuvor zog es ihn im Mauerfalljahr und als Berichterstatter anläßlich des Attentats auf Deutsche-Bank-Sprecher Alfred Herrhausen nach Berlin. Frank blättert im Verzeichnis der Nachrichtenagenturen. Suchbegriff: Germany. "Ich will den Amerikanern das moderne Deutschland näher bringen." Auch durch Berichte über Demos gegen Rechts. Viele Amerikaner würden die Übergriffe von Neonazis auf Ausländer etwa in Brandenburg auf die gesamte deutsche Bevölkerung beziehen. "Ich versuche in meinen Sendungen, diesen Eindruck zu relativieren."

Der Mann am Mikro muss das Interview wieder kurz unterbrechen. Kollege Michael Morris ist fertig mit den Verkehrsnachrichten. Die gibt es alle sechs Minuten. Wo die Blechlawinen auf den kilometerlangen Highways stocken, melden Geschwindigkeits-Sensoren im Asphalt automatisch per Computergrafik im Sendestudio. Frank on air: Polizei-News, Präsidentschafts-Wahlen - und alles "presented by your local Lexus-dealer". Mit dieser Art des Nachrichtensponsoring durch einen Autohersteller haben die Kollegen aus Berlin Probleme, bestätigt Mottek. "Aber so finanzieren sich die Sender hier nun einmal."

In den Hollywood-Sendestudios waren einst auch Marlene Dietrich und Clarke Gable auf Sendung. Nahe des Foyers steht ein Messgerät, dass die Erdtektonik aufzeichnet.

Was macht der Amerikaner mit Berliner Wurzeln eigentlich, wenn er nicht arbeitet? "Tennis spielen, gut Essen gehen." Oder zufällig Monica Lewinsky in der Kneipe treffen und sie spontan in die Sendung einladen. Oder Kassetten für seinen Vater aufnehmen: "Tanztee im Adlon".

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