Berlin : Grüße aus der Stadt der Engel: Der Mann der ersten Stunde

Nancy und Ronald Reagan wohnen zwei Querstraßen weiter. Playboy Hugh Heffners Residenz kommt schon nach ein paar Metern hinter einer bewachten Mauer. Aber Schilder findet man nahe dem Nobelviertel Bel Air nirgends. Dass hier auch ein in Charlottenburg geborener Millionär zu Hause ist, wissen nur wenige. Das Tor öffnet sich automatisch: Welcome bei Ernst Hermann.

Der 83-Jährige ist einer der Begründer der Städtepartnerschaft mit Berlin. "Well, wir waren an der Sache interessiert aus Idealismus", erinnert sich Hermann. Der Berliner Produzent Hello Weber hatte seinem einst vor den Nazis geflohenen Kollegen Rudi Fehr, Schnittmeister bei Warner Brothers, von seiner Idee erzählt - die Stadtverwaltungen waren schnell überzeugt. Partner der Allierten, das zählte damals viel. Hermann zeigt auf einen vergilbten Tagesspiegel-Artikel vom 28. Juni 1967: Vertragsunterzeichnung zwischen den "Stadtoberhäuptern Sam Yorty und Heinrich Albertz". Ernst Hermann: "Uns lag vor allem daran, das Ansehen der Stadt in Amerika zu stärken." Dass er aus Deutschland kam, hat Hermann stets geholfen. "Deutsche gelten als zuverlässig und ehrgeizig."

Schon als Junge lernte "Ernest", wie ihn die Amerikaner nennen, sich durchzubeißen. 1917 in Charlottenburg geboren, in Dahlem aufgewachsen, auf dem Grunewald-Gymnasium zur Schule gegangen. Dann kam die Nazidiktatur. Hermann ging mit seinem Bruder nach England. Die Mutter blieb in Deutschland, der jüdische Vater flüchtete nach Paris. 1934 kaufte der Vater das 1000 Quadratmeter große Anwesen mit Tennisplätzen und Swimmingpool in L.A., zwei Jahre später kamen die Söhne nach.

Hermann hat Buchdrucker gelernt. "H.S. Hermann, 1832 am Spittelmarkt gegründet, war in den 20ern die größte Buchdruckerei in Deutschland." Später gab der Vater den "Berliner Börsenkurier" und den "Tag" heraus. Hermann: "Das war eine elende Verantwortung." Billy Wilder, auch ein Nachbar in L.A., war vier Jahre Redakteur beim Börsenkurier.

In Kalifornien handelte der Hermann zunächst mit Immobilien; später baute er Shoppingmalls. Seit seine Frau tot ist, lebt er allein mit Butler, Sekretärin und Tennistrainer. Wann immer das "Sistercity Committee" Empfänge gibt, lädt Hermann gerne zu sich ein. Fast alle Einrichtungsgegenstände wie das Kissen mit dem Stadtwappen stammen noch aus Berlin. Im Regal die Verdienstorden des Landes Berlin. Die Stadt an der Spree ist die Heimat geblieben. "Seit 1945 bin ich jedes Jahr dort."Gern besucht er seine Clubkameraden vom Tennis-Club Rot-Weiß.

Und dann gibt es da noch einen Ort. Jenen Friedhof in Dahlem, auf dem die Eltern begraben sind und wo schon der ältere Bruder ruht. Auch sein Name sei schon auf dem Grabstein eingraviert. "Aber Eberhard Diepgen sagt mir immer, ich solle unbedingt früher wiederkommen."

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