Berlin : Grund zum Demonstrieren

Friedrichshainer Szene streitet mit Investoren

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Als Zwischennutzer sieht sich im Revaler Viereck keiner mehr. „Wir sind gekommen, um zu bleiben“, heißt die Demonstration, die heute um 13 Uhr am Tor Zwei des RAW-Geländes in der Revaler Straße beginnt. Seit 1998 haben Künstler, Artisten und Initiativen das 71 000 Quadratmeter große Gelände in Friedrichshain für sich entdeckt. Bei Mieten von 50 Cent oder weniger ließen sie sich auf der Brachfläche des ehemaligen Reichsbahnausbesserungswerks (RAW) nieder. Laut Revaler Fünfeck, einer Interessenvertretung der Nutzer, wurden auf dem Gelände 130 feste Jobs geschaffen.

Wer auf dem Gelände bleibt und zu welchen Bedingungen ist jedoch offen. Seit Juli 2007 gehört es der R.E.D. Development, die dort unter anderem generationenübergreifendes Wohnen, aber auch eine kulturelle Nutzung anstrebt. Wie dieses Mischkonzept genau funktionieren kann, sollte eine Arbeitsgruppe mit den Nutzern unter Moderation von Bezirksbürgermeister Franz Schulz ausarbeiten. Doch sie wurde nach vier Treffen ausgesetzt, weil sich die Beteiligten gegenseitig Vorwürfe machen. „Die Mitglieder des Revaler Fünfecks stellen ihre Einzelinteressen vor eine Gesamtlösung“, heißt es in einer Pressemitteilung der R.E.D. Andrea Taha vom größten Nutzer des Geländes, dem RAW Tempel mit 120 Mitgliedern, beklagt, dass in den Plänen der Besitzer für viele Nutzer kein Platz mehr sei. Auch die ehrenamtliche Initiative Ideenaufruf, die möglichst viel des alten Gebäudebestandes bewahren will, hat ihre Teilnahme an der Gruppe beendet. Michael Rostalski vom Ideenaufruf nennt sie „pseudokooperativ.“

„Die Interessen widersprechen sich“, sagt Franz Schulz. Die Renditeerwartung der vier Investorengruppen, die hinter der R.E.D. stehen, und der kulturelle Nutzungsanspruch würden zwangsläufig zu „Verwerfungen“ führen. Er kündigte bilaterale Gespräche zwischen der R.E.D. und den einzelnen Gruppen an. „Wir hoffen, dass er alle Flöhe wieder in den Sack packt und wir mit den Gesprächen weiter kommen“, sagte Moritz Müller, der die R.E.D. vertritt. mj

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