Berlin : Grundbuchämter: Aktenzeichen XY unbearbeitet

Annekatrin Looss

Wer in Berlin ein Grundstück oder eine Wohnung kaufen will, braucht nicht nur viel Geld, sondern derzeit auch viel Geduld. Schon die Eintragung einer Vormerkung in das Grundbuch kann Monate dauern. Bis der Handel perfekt ist - in den meisten Fällen durch Eintragung der Grundschuld in das Grundbuch - sind Wartezeiten von acht Monaten die Regel.

Potenzielle Käufer aber auch Verkäufer und Notare sind verunsichert. So wartet Ramona Packert schon seit April darauf, dass die Grundschuld für ihr neu erworbenes Haus in Britz ins Grundbuch eingetragen wird. Das werde mindestens acht Monate dauern, teilte man ihr im zuständigen Grundbuchamt Lichtenberg mit. Schlimmer noch trifft es die Verkäufer. Denn üblicherweise wird die Kaufsumme, die in den meisten Fällen von Banken finanziert wird, erst ausgezahlt, wenn die Grundschuld im Grundbuch steht. "Ich sitze ganz schön in der Klemme", sagt Gundula Böhmer. Im April hat sie ihr Haus an eine junge Familie verkauft. Weil ihre alten Möbel an das Haus angepasst waren, brauchte sie neue. Doch für die Neuanschaffung fehlt das Geld aus dem Verkauf. Die Grundschuld ist noch nicht eingetragen, vor Jahresende wird das wohl auch nicht passieren. "In mein altes Haus kann ich nicht mehr, das ist ja verkauft, und für meine neue Wohnung kann ich die Möbel nicht bezahlen, weil das Amt so lange braucht. Wenn ich das nur vorher gewusst hätte", klagt Böhmer. Höchstens sechs Wochen werde die Eintragung dauern, hatte ihr der Notar gesagt.

Früher mag das so gewesen sein. Aber im Januar wurden die Grundbuchämter umstrukturiert, ihre Zahl von 13 auf 5 reduziert. Nur noch bei den Amtsgerichten Köpenick, Lichtenberg, Schöneberg, Tempelhof-Kreuzberg und Spandau gibt es welche. Außerdem wurde das elektronische Grundbuch eingeführt. Bald sollen Rechtsanwälte und Notare online die Grundbücher einsehen können.

Mit bis zu sechs Monaten Wartezeit müsse man derzeit rechnen, heißt es bei der Senatsjustizverwaltung. Als Grund nennt man hier allerdings das derzeit hohe Geschäftsaufkommen. Außerdem enthielten bis zu 80 Prozent der Anträge falsche oder nicht vollständige Unterlagen. "Wenn unsere Rechtspfleger ständig nachprüfen müssen, führt das natürlich zu längeren Wartezeiten", sagt Anja Teschner, Sprecherin der Senatsjustizverwaltung.

"Höchstens fünf Prozent der Verzögerungen sind mit den Fehlern, die die Notare beim Stellen der Anträge machen, zu erklären", meint Peter Gläser, Geschäftsführer der Notarkammer Berlin. Einige Ämter bräuchten schon drei Monate, um die Anträge der entsprechenden Akte zuzuordnen - ohne irgendetwas zu prüfen. Die Situation in den Grundbuchämtern sei unhaltbar, weil nur ein Bruchteil der Stellen besetzt sei. Dabei wurde nach Auskunft Teschners das Personal zum 30. Juni aufgestockt. Diese Kräfte kamen allerdings aus dem Personalüberhang und müssen erst eingelernt werden.

Auch der Zuschnitt der neuen Ämter verwirrt die Betroffenen. Dieser stimmt nämlich keineswegs mit der Struktur der fusionierten Bezirke überein. So müssen Einwohner von Prenzlauer Berg ins Amtsgericht Tempelhof, die anderen Bewohner des Großbezirks Pankow, also Weißenseer und Pankower müssen dagegen nach Hohenschönhausen. Das wird sich auch in nächster Zeit nicht ändern. Eine Anpassung der Grundbuchämter an die Bezirke würde laut Senatsjustizverwaltung rund 100 Millionen Mark kosten und das sei bei der angespannten Haushaltslage überhaupt nicht möglich.

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