Grundschule im Taunusviertel : Berliner Schulleiterin zahlt Geldbuße

Juristisches Nachspiel eines Schulkonflikts in Lichtenrade. Die Richterin sieht in einen "Abgrund". Das Verfahren wird eingestellt.

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Aus Protest gegen die drohende Schließung gab es 2009 einen Staffellauf in der sportbetonten Taunus-Schule. Foto: Kitty Kleist-Heinrich
Aus Protest gegen die drohende Schließung gab es 2009 einen Staffellauf in der sportbetonten Taunus-Schule.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Die Rektorin der Lichtenrader Taunus-Grundschule muss eine Geldbuße von 2500 Euro zahlen, weil sie den Stempel ihrer Konrektorin benutzt hat. Das entschied das Amtsgericht Tiergarten am Mittwoch. Das Verfahren, das auf einer anonymen Anzeige beruhte, wurde eingestellt, hieß es aus der Bildungsverwaltung. Anders als von manchen Eltern erwartet, wurde die Rektorin nicht wegen Urkundenfälschung verurteilt. Somit ist sie nicht vorbestraft und kann weiter als Schulleiterin arbeiten. Sie ist noch in der Probezeit.

Aussage gegen Aussage

Bei der Benutzung des Stempels ging es um eine Entscheidung der Schulkonferenz vom November 2014. Das Gremium hatte sich mit knapper Mehrheit für ein anderes externes Mitglied ausgesprochen als die Elternvertreter wollten: Die Eltern bevorzugten die ehemalige Elternvertreterin der Schule, Doris Dreißig-Jovanovic, die auch den Bezirkselternausschuss Tempelhof-Schöneberg leitet. Als daraufhin die Wahl angefochten wurde, musste die Schulleiterin schnell reagieren, um die juristischen Fristen zu wahren. Dies führte zu der Nutzung des Stempels, da die Konrektorin, die eigentlich hätte unterschreiben müssen, nicht mehr erreichbar gewesen sei, führte die Schulleiterin aus. Die Schulsekretärin sagte in Übereinstimmung mit ihr, dass die Konrektorin zuvor ihr Einverständnis mit dem entsprechenden Schreiben geäußert habe. Dies bestritt die Konrektorin vor Gericht.

Anonyme Schreiben tauchten auf

Die Richterin sagte angesichts der Gemengelage aus Intrigen und Vorwürfen, es habe sich ein "Abgrund aufgetan". Vergleichbares habe sie als Mutter dreier Kinder noch nicht erlebt. Wie berichtet, waren im Laufe der Auseinandersetzung weitere anonyme Vorwürfe gegen die Schulleiterin erhoben wurden, die sich dann in einem Schreiben an einer anderen Schule wiederfanden. Einige Eltern hatten sich daraufhin mit der Schulleiterin solidarisiert. Die Kritiker der Schulleiterin bezogen auch die Schulaufsicht in ihre Beschwerden ein. Die Schulverwaltung entsandte schließlich die erfahrene Schulleiterin Ellen Hansen und den ehemaligen Abteilungsleiter Erhard Laube, um die Lage zu befrieden und die Probleme zu lösen. Hansen berät die Schule noch immer.

Der Kampf gegen die Abwicklung der Schule schweißte die Eltern zusammen

Zur Geschichte des Konflikts gehört, dass die Schule einst geschlossen werden sollte. Dagegen hatte sich der Schulleiter zusammen mit der damaligen Elternvertreterin Doris Dreißig-Jovanovic und weiten Teilen der Elternschaft mit der Initiative "Taunus bleibt" erfolgreich gewehrt. Da der Schulleiter 2014 in Pension ging, musste ein Nachfolger gefunden werden. Als die Schulaufsicht die jetzige Rektorin präsentierte, begannen die Probleme, weil sie den Erwartungen der Ton angebenden Elternvertreter nicht entsprach. Insbesondere wurde kritisiert, dass sie nicht zum Sportprofil der Schule passe.

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