Grundschulen in Berlin : Angleichung der Lehrergehälter dauert mindestens fünf Jahre

Im Moment bekommen frisch ausgebildete Grundschullehrer mehr Geld als ihre erfahreneren Kollegen. Das soll sich bis 2022 ändern. Senatorin Scheeres nennt Details.

Lehrer und Schüler im Unterricht.
Lehrer und Schüler im Unterricht.Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Es geht um Gerechtigkeit – und auch darum, was wie schnell politisch machbar ist: Die unterschiedliche Bezahlung von Grundschullehrkräften sorgt weiter für Unmut in vielen Berliner Lehrerzimmern. Jetzt zeichnet sich ab, dass es noch mindestens fünf Jahre dauert, bis alle Gehälter angeglichen sind.

Ein Schlaglicht auf das Problem hatte die Protestaktion geworfen, die vor kurzem das Kollegium der Halensee-Grundschule beschlossen hatte (wir berichteten): Die Lehrer wollten keine Ausflüge, Klassenfahrten, Feiern und keinen Elternsprechtag mehr durchführen. Das ist jetzt wieder vom Tisch: Auf einem außerordentlichen Elternabend Anfang dieser Woche stellte die Schulleitung klar, dass die Streichungsmaßnahmen wieder aufgehoben seien. Bei vielen Eltern war das Vorgehen der Lehrer zuvor auf Unverständnis gestoßen. Die Senatsbildungsverwaltung hatte interveniert und die Schule schriftlich darauf hingewiesen, dass viele der abgesagten Projekte zum Schulprogramm und damit zu den Dienstpflichten der Lehrer gehörten.

Die erfahrenen Lehrkräfte bekommen 500 Euro weniger

Doch worum geht es bei dem Konflikt eigentlich? Die Ausgangslage: Seit August diesen Jahres bekommen Grundschullehrkräfte, die ihre Ausbildung nach dem neuen Lehrkräftebildungsgesetz absolviert haben, 5100 Euro brutto (ab Januar 2018 5300 Euro). Sie werden in die Tarifstufe E13 eingruppiert und verdienen damit genauso viel wie Lehrer an weiterführenden Schulen – das ist bundesweit einmalig.

Dagegen bekommen die sogenannten Bestandslehrkräfte, die zum Teil schon jahrzehntelang dabei sind, 4570 Euro (in der Tarifstufe E11/A12; ab Januar 2018 4750 Euro). Das sind also über 500 Euro weniger.

Das Studium in der neuen Ausbildung dauert zwei Semester länger, und es gibt auch einige andere Inhalte, zum Beispiel muss mehr Mathematik und Deutsch als früher belegt werden. Dennoch ist es für viele Bestandslehrkräfte nicht nachvollziehbar, warum die neue Ausbildung mehr wert sein soll als ihre lange Berufserfahrung. Und hinzu kommt: Die „alten“ Lehrer haben die jungen Kollegen zum Teil ausgebildet, ihnen im Referendariat beigestanden – und jetzt werden sie von ihren ehemaligen Schützlingen finanziell überflügelt. Auch Quereinsteiger bekommen übrigens das höhere Gehalt, nachdem sie mit ihrem berufsbegleitenden Referendariat fertig sind.

Scheeres: Bis 2022 werden für die Anhebung 80 Millionen Euro eingeplant

Dass auch die Bestandslehrkräfte mehr verdienen sollen, darüber besteht bei den politisch Verantwortlichen Konsens – und das gehörte auch zu den Bedingungen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), unter denen 2016 ein drohender Lehrerstreik abgewendet wurde. Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) teilte nun einen Zeitplan mit: Im Haushalt 2018/19 sind rund 11 Millionen Euro dafür vorgesehen, dass 500 Bestandslehrkräfte im Jahr 2018 und weitere 1500 im Jahr 2019 hochgestuft werden. In den darauffolgenden Jahren sollen jeweils weitere 1000 Lehrkräfte folgen. „Bis einschließlich 2022 plant Berlin, rund 80 Millionen Euro in die Hand zu nehmen, um die Bestandslehrkräfte heben zu können“, so Scheeres.

Außerdem wird derzeit eine Rechtsverordnung erarbeitet, die festlegt, wie sich die Bestandslehrkräfte für E13 qualifizieren können. Die Verordnung wird gerade mit der Senatsfinanzverwaltung abgestimmt und soll noch im Herbst vorliegen. Ob alle Lehrkräfte Fortbildungen absolvieren müssen, oder ob auch Berufserfahrung berücksichtigt wird – dazu wollen sich Senatsbildungs- und Finanzverwaltung derzeit nicht äußern.

Was ist mit den ehemaligen DDR-Lehrerkräften?

Regina Kittler, bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, kritisiert, dass die Angleichung zu lange dauere. „Wir müssen das eigentlich in dieser Legislaturperiode schaffen.“ Sie befürchtet zudem, dass die in der DDR ausgebildeten Lehrkräfte – die damals „Lehrer unterer Klassen (Luk-Lehrer)“ hießen – zu kurz kommen. Nach der Rechnung von Senatorin Scheeres sollen ja bis 2022 rund 5000 Lehrkräfte hochgestuft werden – bei dieser Zahl fehlen aber über 1000 ehemalige Luk–Lehrkräfte. Deren Ausbildung erforderte in der DDR kein Abitur und nur den Besuch einer vierjährigen Fachschule. Nach der Wende konnten die Luk-Lehrerinnen, die an Grundschulen arbeiteten, eine 60-stündige Fortbildung absolvieren und wurden nach einer erfolgreichen „Bewährungsfeststellung“ auch verbeamtet. Senatorin Scheeres sagt, dass auch für diese Lehrkräfte „aktuell Entwicklungsmöglichkeiten geprüft würden.“ Kittler reicht das nicht, sie fordert die Gleichbehandlung. GEW-Tarifexperte Udo Mertens spricht gar von „Wortbruch“, falls die LuK-Lehrerinnen von der Höherstufung ausgenommen werden.

Die bildungspolitische Sprecherin der SPD, Maja Lasic, will zwar auch, dass es „so gerecht wie möglich zugeht“, man müsse aber auch sehen, dass „Tariflaufbahnen immer auch etwas mit der Ausbildung zu tun haben“. Sie wies darauf hin, dass Berlin bei der Bezahlung der Grundschullehrer bundesweit Vorreiter ist: „Dieser Pioniergeist, den Berlin demonstriert, wird von den Kritikern ausgeblendet.“

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