Berlin : Grundsicherung produziert Armut

Foto: Marina Kosmalla
Foto: Marina Kosmalla

„Ja, die Zahl der armen Alten steigt bis zum Jahr 2020 rasant. Denn in den kommenden Jahren gehen die geburtenstarken Jahrgänge in Rente. Gefährdet sind oft Geringverdiener und Migranten, die nur eine lückenhafte Erwerbsbiografie haben. Auch alleinerziehende Frauen sind von Altersarmut bedroht und mancher Berliner aus dem Ostteil der Stadt hat wegen des wirtschaftlichen Umbruches nach der Wende nur lückenhaft in die Rentenkassen eingezahlt. Berlin hat außerdem eine der höchsten Quoten von Hartz-IV-Empfängern. Und es gibt sehr viele Ein-Mann-Unternehmen, die 1000 Euro oder weniger verdienen. Die können sich in der Regel keine freiwillige Rentenversicherung leisten. Deshalb sind viele schlecht abgesichert für das Alter. Ganz besonders Hartz-IV-Empfänger, da sie ja bereits mit 60 in Rente gehen. Und weil während der Arbeitslosigkeit nicht für sie in die Rentenkasse eingezahlt wurde, werden viele mit der Grundsicherung leben müssen. Diese Regelung war falsch. Sie produziert Armut. Wer Hartz IV bekommt, der sollte weiterhin Rentenbezüge erhalten und auch seine private Vorsorge sollte nicht angetastet werden. Die allerbeste Prävention wäre aber ein anständiges Lohnniveau.“ ball

Barbara Riedmüller

ist Professorin am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft der Freien Universität Berlin und war von 1989 bis 1991 Senatorin für Wissenschaft und Forschung in Berlin.

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