Grunewald : Wildschwein griff Menschen an – Jäger erschoss es

Ein Keiler läuft Amok: Das Tier biss innerhalb weniger Stunden drei Spaziergänger im Grunewald - es war bereits waidwund. Möglicherweise hat sich zuvor ein Jäger "eklatant falsch verhalten".

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Foto: ddp

Der Keiler war außer Rand und Band und biss innerhalb weniger Stunden drei Spaziergänger im Grunewald, bevor er zur Strecke gebracht wurde: Das ist die Bilanz einer ungewöhnlichen Wildschweinattacke am Sonntag. Weshalb sich das Tier derart aggressiv verhielt, stellte sich nach seinem Abschuss heraus. Es hatte bereits eine frische Schussverletzung am Hinterteil, die vermutlich von der Kugel eines Jägers herrührte. „Normalerweise greifen Wildschweine kaum Menschen an“, sagt der Wildtierbeauftragte des Senats, Derk Ehlert. In Berlin leben laut Ehlert zur Zeit etwa 3000 bis 5000 Wildschweine, in Brandenburg wird ihre Zahl auf mehr als 50 000 geschätzt. Experten gehen davon aus, dass sich die Tiere in Zukunft vor allem in Berlin noch stärker vermehren werden und besonders die Klagen über zerwühlte Gärten entsprechend zunehmen.

Der wildgewordene Keiler hatte sich für seine Attacke den passenden Ort ausgesucht. Er griff an der Havelchaussee in Höhe der Saubucht bei Schildhorn erst gegen 10 Uhr einen Mann an, danach biss er eine 56-jährige Spaziergängerin, die sich mit Skistöcken wehrte, in die Hand und schließlich eine 32-jährige Frau in die Hüfte. Wenig später erlegte ein alarmierter Stadtjäger das Tier. Weil es offenbar erst durch eine Schusswunde in Panik geraten war, fahndet die Forstverwaltung nun nach dem Schuldigen. Möglicherweise habe sich in diesem Falle ein Jäger „eklatant falsch verhalten“, hieß es. Gelingt einem angeschossenen Wildtier die Flucht, muss es mit Hunden verfolgt und endgültig erlegt werden. Denn in Panik gebrachte Wildschweine können lebensbedrohliche Angreifer sein. Im Oktober 2008 hatte beispielsweise ein angeschossener Keiler einen unachtsamen Jäger bei Potsdam tödlich verletzt.

Im Normalfall nehmen Wildschweine aber nach Auskunft von Jägern vor Menschen Reißaus. Man darf sie allerdings nicht in die Enge drängen. Die meisten Klagen über Schwarzwild-Rotten kommen deshalb eher von Hausbesitzern, in deren Gärten die Tiere die Sau rauslassen. Beete werden zerwühlt, Zäune zerstört. Hinzu kommt, dass die intelligenten und flexiblen Schweine immer weiter in die Stadt vordringen. Sogar am Alexanderplatz wurde vor drei Jahren eines gesichtet. Und im Westend gab es 2008 eine Wildschweinplage.

Um der wachsenden Schar Einhalt zu gebieten, wurden in den vergangenen Jahren vermehrt Wildschweine abgeschossen. In Brandenburg erlegten Jäger 2008 rund 80 000 Tiere. Dadurch hielten sie den durchschnittlichen Gesamtbestand bei etwa 50 000. „Andernfalls hätten wir hier schon weit über 100 000 Wildschweine“, so das Landwirtschaftsministerium. In Berlin wurden 2008 und 2009 rund 4500 Tiere geschossen.

Doch während die Jagd in der Mark laut Ministerium „das beste Mittel ist, um den Bestand einzudämmen“, kommt man in Berlin mit der Flinte nicht so weit. Die Tiere schlagen den Jägern ein Schnippchen. Sie halten sich immer häufiger in Wohngebieten auf, wo das Waidwerk nur sehr eingeschränkt erlaubt ist, die Lebensbedingungen aber für sie ideal sind. Im Grunewald gibt es extrem viele Eicheln, am Stadtrand Gemüsegärten. So stehen die Förster dem Problem teils hilflos gegenüber. Sie pochen allerdings auf das Fütterungsverbot, das bundesweit gilt, weil sich Wildschweine überall stark vermehren. In Hamburg brachte ein Keiler jüngst sogar eine U-Bahn zum Entgleisen. Er war auf die Schienen gerannt.

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