Grunewalder Gymnasium : Schule will Messerstecher nicht behalten

In bürgerlichen Bezirken ist er die Ausnahme: Der Schulverweis gilt als "letztes Mittel", wenn Schüler aus dem Ruder laufen. Jetzt wusste sich das Walther-Rathenau-Gymnasium nicht anders zu helfen.

von
Messer gelten bei manchen männlichen Schülern als Statussymbol. Dieses Foto entstand bei der Bremer Aktion "Drückt Eure Waffen in die Tonne", bei der es darum ging, verbotene Waffen von Schulhöfen zu verbannen.
Messer gelten bei manchen männlichen Schülern als Statussymbol. Dieses Foto entstand bei der Bremer Aktion "Drückt Eure Waffen in...Foto: dpa

Die beiden Charlottenburger Neuntklässler, die vor zehn Tagen in eine gewalttätige Auseinandersetzung auf dem Schulhof des Walther-Rathenau-Gymnasiums verwickelt waren, sollen ihre Schule verlassen. Diese Empfehlung haben nach Informationen des Tagesspiegels die Klassenkonferenzen beider Schüler am Montagabend ausgesprochen. Am Dienstagabend sollte sich die Schulkonferenz mit diesem Votum befassen. Die endgültige Entscheidung liegt allerdings bei der Schulaufsicht im Bezirk.
Intern wird davon ausgegangen, dass die Schulaufsicht der Empfehlung der Gremien folgt. Dem Vernehmen nach wurden den Jungen bereits Ausweichschulen angeboten. Das Gesetz verlangt, dass es Schulen „desselben Bildungsgangs“, in diesem Fall also Gymnasien, sein müssen. Auf eine Schule im selben Bezirk haben sie keinen Anspruch.


Die Schüler gelten beide sowohl als Täter als auch als Opfer: Der 15-Jährige, der seinem 14-jährigen Mitschüler in den Oberkörper gestochen haben soll, soll zuvor von dem Mitschüler am Kopf verletzt worden sein. Beide waren auch früher schon negativ aufgefallen, weshalb die Schulgremien jetzt auch keine Nachsicht zeigen wollten. Nach dem Vorfall waren die Jungen sofort vom Unterricht ausgeschlossen worden, sodass sie auch nach dem Verlassen des Krankenhauses nicht an ihre Grunewalder Schule zurückkehren durften.
Die sogenannte Überweisung an eine andere Schule – offiziell heißt es nicht „Schulverweis“ – ist die härteste „Ordnungsmaßnahme“, die das Schulgesetz (§63) vorsieht. In bürgerlichen Bezirken wird sie sehr selten verhängt, in den sozialen Brennpunkten häufiger. Eine Gesamtzahl für Berlin wird laut Bildungsverwaltung nicht zentral erhoben.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

Autor

47 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben