Berlin : Gruppe von Intellektuellen will Straße umbenennen

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Eine Gruppe von Intellektuellen und Künstlern aus dem Bezirk würde gern die Danziger Straße teilweise nach Marinus van der Lubbe benennen. Van der Lubbe war 1933 wegen seiner Beteiligung am Reichstagsbrand zum Tode verurteilt und hingerichtet worden. "Wir, die Unterzeichnenden, beantragen die Umbenennung mindestens eines Teiles der Danziger Straße", heißt es in einem von der Gruppe verfassten Papier. Begründung: Der Name Danziger Straße habe nie etwas mit Geographie zu tun gehabt, in keiner Richtung führe die frühere Dimitroffstraße zur polnischen Stadt Gdansk. Weiter heißt es: "Mit der Widmung dieser Straße an Marinus van der Lubbe könnte also ein relativ deutliches Zeichen dafür gesetzt werden, dass sich die neue deutsche Demokratie endgültig davon verabschiedet hat, schweigend bis billigend die Errichtung eines totalitären Regimes zu dulden." Zu den rund 30 Unterzeichnern gehören neben anderen die PDS-Bundestagsabgeordnete Angela Marquardt und Reinhard Schult vom Neuen Forum. Auf der Liste stehen auch Philosophen, Soziologen, Historiker und Filmemacher, deren Namen außerhalb von Prenzlauer Berg weniger bekannt sind.

Die Bezirksverordnete Anita Vandenhertz (für PDS) vertritt das Projekt auf der Ebene der Bezirkspolitik. Frau Vandenhertz, die in der PDS-Fraktion für das Gebiet Stadtentwicklung verantwortlich ist, ruderte gestern erst einmal zurück. Die Idee sei bei einer Runde in einem Café entstanden, "die Auseinandersetzung ist interessanter als das Ergebnis", sagte sie und warnte "vor übertriebener Hast" und davor, das Ganze zur Kampfparole zu machen. Im April ist laut Vandenhertz ein historisches Kolloquium geplant. Über die Erfolgsaussichten macht sich Anita Vandenhertz keine Illusionen. "Das wird schwer", sagte sie.

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