Berlin : Guck mal, wer da spielt

24 Nachwuchsschauspieler der „Actors Class 2004“ zeigen ihre Kurzfilme

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Til Schweiger kommt am Freitagabend mit zwei Paar Schuhen in den Zoo Palast: Eines zum Laufen und eines, weil das Profil so schön ist. Und das braucht er für die Betonplatte, auf der er mit Sat1Chef Roger Schawinski wippt. Die beiden verewigen ihre Hand- und Fußabdrücke für eine „Wall of Fame“, die in der Potsdamer Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) angebracht werden soll. Aber er ist nicht nur deswegen aus Köln angereist. Dieses Jahr ist er Pate für die Actors Class 2004. Es ist der dritte Jahrgang von 24 jungen Laien und Schauspielschülern, die Sat1 und die HFF unter 5000 Bewerbern ausgesucht haben. Er weiß, wie schwierig der Anfang als Schauspieler sein kann. „Nachwuchsförderung ist das Wichtigste überhaupt“, sagt er.

Die Abschlussklasse hat einen zweiwöchigen Workshop hinter sich. Sie hat gelernt, wie man sich vor einer Kamera bewegt, dass Gefühle am besten aussehen, wenn sie echt sind, wie man durch bewusstes Berühren Vertrauen zum Filmpartner aufbaut. Während für die Laien das meiste neu war, hatten die Schauspielschüler mit Theatererfahrung andere Probleme. Tatjana Kästel, diesjährige Gewinnerin der Actors Class, musste lernen, das weniger manchmal mehr ist. „Auf der Bühne haben wir viel mehr Platz, um uns zu bewegen. Vor der Kamera muss man die gleichen Dinge in viel weniger Raum darstellen“, sagt sie. Wie Johannes Suhm bekommt sie eine Rolle in der Serie „SK Kölsch“. Die Jury zeichnete zusätzlich Kirstin Hesse aus Lünen als „Best supporting act“ aus. Sie darf in „Wolffs Revier“ mitspielen.“

Die Jury um Schauspielerin Nina Hoss hat sich anhand von sechs Kurzfilmen für die besten Schauspieler entschieden. Die wurden in nur zwei Tagen gedreht – und zwar von Nachwuchskameramännern, Nachwuchsausstattern und Nachwuchsproduzenten, unter Anleitung eines erfahrenen Regisseurs. Till Endemann hat bei „Spritztour“ Regie geführt, einem vierminütigen Film über vier Jugendliche, die sich nach einem Autounfall am Bett ihres schwerverletzten Freundes treffen. „Es ist erfrischend, mit Laien zu drehen“, sagt der Regisseur. „Die Bewegungsabläufe sind noch nicht schematisiert.“ Er hat sich schon zwei Abgänger für seinen neuen Film ausgeguckt. Die wissen es aber noch nicht.

Seit Actors Class 2002 zum ersten Mal auf Talentsuche ging, sind schon ein Dutzend ihrer Abgänger für Filme gecastet worden, allen voran Mirko Lang, der in „Das Wunder von Lengede“ und „Das Wunder von Bern“ spielte. Auch dieses Mal sitzen unter den Gästen Agenten und Regisseure, die gekommen sind, um zu sehen, was „die Kleinen“ so drauf haben. Die beiden Berlinerinnen Dela Gakpo und Franca Witzleben haben also auch ohne Preis gute Aussichten auf ein Jobangebot. Überhaupt, findet die 23-jährige Dela Gakpo, dass Dabeisein alles ist. „Ich habe in diesen zwei Wochen so viel gelernt.“ cof

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