Berlin : Günstig schlafen im Szeneviertel

Am Ostkreuz baut das Jugendherbergswerk sein größtes Haus

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Klinkerbau. In Lichtenberg entsteht die neue Jugendherberge. Foto: Chr. Stollowsky
Klinkerbau. In Lichtenberg entsteht die neue Jugendherberge. Foto: Chr. Stollowsky

Berlin – Deutschlands größte Jugendherberge entsteht am Bahnhof Ostkreuz. Bis zum Frühjahr 2012 will das Deutsche Jugendherbergswerk (DJH) sein „neues Flaggschiff“ fertigstellen. Dafür wird die denkmalgeschützte einstige Gemeindeschule und spätere Fachhochschule für Wirtschaft und Technik an der Marktstraße 9 in der Lichtenberger Victoriastadt zum Jugendgästehaus mit 450 Betten umgebaut. Sieben Millionen Euro soll das Projekt kosten. Es gibt zwar schon mehr als 70 billige Hostels für junge Leute in der Stadt. Doch „angesichts der wachsenden Attraktivität Berlins für Touristen unter 30“ erhofft sich der DJH-Chef von Berlin/Brandenburg Steffen Reiche „eine gute Auslastung unserer künftigen Herberge am Ostkreuz“.

Sozialdemokrat Reiche, der von 1994 bis 2004 erst brandenburgischer Minister für Wissenschaft und Kultur und dann für Bildung und Jugend war, unterzeichnete am Sonntag mit Berlins Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) einen langfristigen Pachtvertrag für das 1906 im Stil der märkischen Backsteingotik errichtete Gebäude. Damit habe das Land Berlin die zuletzt leer stehende Immobilie „in gute Hände“ gegeben, sagte Zöllner. 2009 war die Fachhochschule nach Karlshorst und Oberschöneweide umgezogen.

In Berlin hat das Jugendherbergswerk bereits drei Häuser mit insgesamt rund 750 Betten, die auch weiter erhalten bleiben. Die bislang größte Herberge steht in der Kluckstraße am Schöneberger Ufer, direkt am Wannsee gibt es ein 285-Betten-Haus und in Hermsdorf noch eine kleinere Unterkunft. Die Kluckstraße sei rund ums Jahr zu 90 Prozent ausgebucht, sagt DJH-Sprecher Marcus Hirschberg. Einen solchen Andrang erwarte man auch am Ostkreuz, zumal das neue Haus „ideal“ am Rand des Szenebezirkes Friedrichshain-Kreuzberg liege. Eines der größten Berliner Hostels, das A&O-Hostel, bietet zwar gleich um die Ecke in einem umgebauten Industriegebäude an der Boxhagener Straße 450 Betten an, aber diese Konkurrenz fürchtet Hirschberg nicht. Man vertraue auf das neue Image der Jugendherbergen und die Zugkraft eines guten Angebotes, das sich bereits in den jetzigen drei Berliner Häusern bewähre.

An der Kluckstraße gibt es eine 24-Stunden-Bar, einen umfangreichen Computerservice und kostenlose Sightseeing-Touren für Gäste. Das verstaubte frühere Herbergsbild, so der DJH-Sprecher, „ist hier längst passé“. Hauptgruppe sind die Schulklassen, doch auch junge Familien sowie Leute jeden Alters, „die eine preisgünstige, unkomplizierte Alternative zum Hotel suchen“, gehören immer häufiger zur Gästeschar. Deshalb entstehen am Ostkreuz auch 26 Doppelzimmer und acht Familienzimmer mit Bad und WC. Eine Übernachtung mit Frühstück soll dort voraussichtlich 30 Euro pro Person kosten. Zusätzlich sind 20 barrierefreie Zimmer für Rollstuhlfahrer geplant. Und die einstige Turnhalle der Schule soll ein Kulturzentrum werden. Dort ziehen nach den bisherigen Plänen Schauspieler und Artisten ein. Das „Jugendtheater Strahl“, der Kinderzirkus Cabuwazi und die Artistenakademie GrenzKultur, die ein Zelt am Ostbahnhof unterhält, sollen hier Spielstätten bekommen.

Dass Berlins größte Jugendherberge einen ähnlichen Ansturm erleben wird wie die Jugendherberge am Hamburger Hafen, die ständig ausgebucht ist, versichern die städtischen Tourismuswerber von „visitBerlin“. Schon jetzt seien mehr als ein Fünftel der Berlin-Besucher unter 30 Jahre alt, teilten sie am gestrigen Sonntag mit. Betrachtet man allein die ausländischen Gäste, so ist der Jugendanteil sogar noch höher. Hier sind 40 Prozent jünger als 30. Christoph Stollowsky

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