Günter Braun : Mann des Anstands und der Bescheidenheit

Trauerfeier für den langjährigen IHK-Geschäftsführer Günter Braun: Dass er ein besonderer Mensch gewesen ist, bestätigte die fast auf den letzten Platz gefüllte Kirche.

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Günter Braun

Es war ein Abschied, der seiner angemessen war. Endlos der Trauerzug durch das blühende Dahlem, der die beiden Kirchen verband, die Günter Braun, dem verstorbenen Mäzen und langjährigem IHK-Geschäftsführer, in seinem Leben wichtig gewesen sind, die Jesus-Christus-Kirche – dort predigte einst Gollwitzer – und die Dahlemer St. Annenkirche, neben der er gestern begraben wurde. Dass er ein besonderer Mensch gewesen sei, verehrt und geliebt von vielen, wie Bischof Wolfgang Huber zu Beginn des Trauergottesdienstes sagte, bestätigte die fast auf den letzten Platz gefüllte Kirche. Aber das Zeugnis dafür durchzog die Predigt des Bischofs wie die Worte, die der Kunsthändler Bernd Schultz für ihn fand. Sie würdigten die Rollen, die Braun in und für Berlin gespielt hat. Aber noch mehr galten sie dem Charakter, der er war, und dem Beispiel, das er setzte.

Es kommt wohl selten vor, dass jemand so viel mit so viel Bescheidenheit leistet. Dass Günter Braun – zusammen mit seiner Frau – zum Beispiel die Klein-Glienicker Kapelle, die die ganze Teilungszeit in einem toten Winkel gelegen hatte, wieder zum Leben erweckte, war eines der Verdienste. Da und in vielen anderen Fällen zeigte sich der Bürger, der Braun war, die currente These vom Verschwinden des Bürgerlichen Tag für Tag widerlegend. Bernd Schultz hob die andere, politische Seite hervor, die Gradlinigkeit: „Spur halten“ sei einer seiner Grundsätze gewesen.

Bedeutet sein Tod eine Zäsur für Berlin? Bernd Schultz empfand es so und viele andere im Kirchenraum neigten wohl dieser Ansicht zu. Angesichts der Trauergäste hätte man vielleicht auch denken können: viel West-Berlin, die alten Regierenden Bürgermeister Klaus Schütz, Dietrich Stobbe, Richard von Weizsäcker, von den handelnden Politikern nur Kulturstaatssekretär André Schmitz und Parlamentspräsident Momper. Von dem neuen, zugezogenen Berlin keine – sichtbare – Spur. Doch drückte das Gefühl nicht vor allem das Gefühl für die Bedeutung des Mannes aus? Ist es nicht Teil des Pathos, das dem Abschied innewohnt? Braun habe, wie Schultz hervorhob, „maßstabsetzenden Anstand“ verkörpert: eine Tugend, die jeder Zeit voraus ist. Sie passt zu dieser Trauerfeier, bei der die Achtung vor einem erfüllten Leben den Schmerz in Schach hielt, ja, überwog. Ein Brahmslied „Mit Fried und Freud ich fahr dahin“, sangen die Enkel für ihren Großvater. Anrührend meisterten sie die Komposition, die eigene Rührung niederkämpfend. Rdh.

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