Berlin : Günther Kaufmann will neuen Verteidiger

Schauspieler vor Haft-Entlassung – obwohl er Krach hat mit seinen Münchener Staranwälten

Jörn Hasselmann

Der Schauspieler Günther Kaufmann („Berlin-Alexanderplatz“) hofft auf die baldige Freiheit – und auf neue Anwälte. Nach Informationen des Tagesspiegels hat sich Kaufmann von den Münchener Staranwälten Steffen Ufer und Nikolaus Koehler getrennt. Der Berliner Rechtsanwalt Matthias Gerbeit kündigte am Abend an, dass „es einen neuen Strafverteidiger für Herrn Kaufmann geben wird“. Der Name solle erst in der kommenden Woche bekannt gegeben, sagte der Neuköllner Jurist dem Tagesspiegel. Dieser neue Verteidiger werde die Wiederaufnahme des Verfahrens gegen Kaufmann beantragen, sagte Gerbeit: „Kaufmann ist bald frei.“

Stunden zuvor hatten die Münchener Anwälte nach einem Besuch Kaufmanns im Tegeler angekündigt, dass sie vermutlich ihren prominenten Mandanten nicht länger verteidigen werden. „Es gab eine nachhaltige Störung“, sagte Steffen Ufer aus der Kanzlei Bossi – sie zeigten sich enttäuscht, dass sich der 56-jährige Schauspieler seit kurzem von einem Berliner Anwalt „beeinflussen“ lasse. „Herr Kaufmann hat uns schon im Prozess nicht immer alles gesagt was er wusste, das war eigentlich schon ein Grund, alles hinzuwerfen“, sagte Ufer. Ufer und Koehler sagten, dass Kaufmann in spätestens vier bis sechs Wochen wieder frei sei. Kaufmann sehe wesentlich gesünder aus als beim Prozess in München, berichteten die Anwälte. „Der zwangsweise Alkoholentzug im Gefängnis ist sehr positiv für ihn.“ Er habe abgenommen und sehe jünger und sportlicher aus.

Der Berliner Anwalt Gerbeit nannte als Grund für diesen überraschenden Wechsel „persönliche Differenzen“ zwischen Kaufmann und den Münchener Juristen. Gerbeit hat Kaufmann am Mittwoch und Donnerstag im Gefängnis besucht. Kaufmann sei vor einigen Wochen – also vor der spektakulären Wende durch die Verhaftung der drei Berliner Täter – an ihn herangetreten, sagte Gerbeit. Der Wechsel der Anwälte wird auf die baldige Freilassung des Schauspielers keinen Einfluss haben. Denn auch die Münchener Staatsanwaltschaft will das Verfahren neu aufrollen. Der Präsident des zuständigen Landgerichts kündigte gestern eine rasche Bearbeitung des Antrages an.

Der Schauspieler („Tatort“, „Derrick“, „Der Alte“) sitzt in Tegel eine 15-jährige Freiheitsstrafe wegen der Tötung seines Steuerberaters Hartmut Hagen im Februar 2001 ab. Wie berichtet, hatte Kaufmann vor einer Woche sein damaliges Geständnis widerrufen, nachdem in Berlin drei Kriminelle verhaftet worden waren, die ihrerseits die Tötung des Steuerberaters gestanden hatten. Kaufmann wollte durch sein falsches Geständnis seine inzwischen verstorbene Frau schützen, die an dem Mordkomplott offenbar beteiligt gewesen war.

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