Guggenheim : „Das Lab ist für jeden offen“

Es war das Aufregerthema der vergangenen Wochen: das BMW Guggenheim Lab. Im Interview erzählt Maria Nicanor, Leiterin des Kuratorenteams, wann und wie das Lab seine Arbeit aufnimmt. Sie wirbt für die kostenlosen Veranstaltungen – und will über Polizeischutz eigentlich nicht mehr reden.

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Station Pfefferberg. Maria Nicanor (32) leitet das Kuratorenteam des BMW Guggenheim Lab. Die Spanierin hat Kunstgeschichte studiert und arbeitet seit 2005 für das Guggenheim-Museum New York.
Station Pfefferberg. Maria Nicanor (32) leitet das Kuratorenteam des BMW Guggenheim Lab. Die Spanierin hat Kunstgeschichte...Foto: Mike Wolff

Frau Nicanor, wie laufen die Vorbereitungen für das BMW Guggenheim Lab?

Die Bauarbeiten kommen voran. Die eigentliche Lab-Konstruktion wird wahrscheinlich Ende Mai aufgebaut. Und auch das Programm nimmt Gestalt an. Vier Lab-Kuratoren teilen die Themen unter sich auf. Jeder hat acht Tage mit Veranstaltungen zu füllen. Dazu sprechen wir derzeit mit vielen unterschiedlichen Gruppen, mit Universitäten und einzelnen Akteuren.

Welche Berliner Gruppen und Akteure werden sich am Lab-Programm beteiligen?

Es ist zu früh, um Namen zu nennen. Aber ich kann versprechen, dass unterschiedlichste lokale Gruppen und Organisationen dabei sein werden, darunter auch aus der direkten Nachbarschaft hier im Prenzlauer Berg. Aber auch mit Gruppen und Akteuren aus Kreuzberg sind wir weiter in Kontakt und möchten sie unbedingt mit dabei haben.

Der Protest gegen das Guggenheim Lab in Bildern

Der Protest gegen das Guggenheim Lab und andere Projekte
Feindbilder. Nach dem Guggenheim-Lab wollen linke Aktivisten auch eine Wohnbebauung auf dem Kreuzberger Grundstück verhindern.Alle Bilder anzeigen
1 von 6Foto: Heinrich
01.04.2012 18:07Feindbilder. Nach dem Guggenheim-Lab wollen linke Aktivisten auch eine Wohnbebauung auf dem Kreuzberger Grundstück verhindern.

Reden Sie auch mit den Lab-Gegnern?

Wir möchten mit jedem sprechen, auch mit Kritikern des Projekts. Und, ja, mit einigen von ihnen haben wir uns auch schon getroffen. Sie stellen uns viele Fragen, wir versuchen zu antworten. Das läuft gut. Einige allerdings wollen gar nicht mit uns reden. Das macht die Situation dann auch schwierig für uns.

Wollen Sie die Gegner auch ins Lab-Programm einbinden?

Ja, das versuchen wir. Wir wollen ja eine Diskussion. Und wir möchten, dass möglichst viele ihre Meinung einbringen können. In New York ist das gelungen. Dort gab es ebenfalls Proteste gegen Gentrifizierung. Eine Gruppe kam mit ihren Transparenten sogar ins Lab. Im weiteren Verlauf wurde der Sprecher der Gruppe dann unser größter Fan und beteiligte sich am Programm. Das Lab ist eine Plattform, die für jeden offen ist. Das wünschen wir uns auch für Berlin.

Die Polizei erklärt, sie werde sich am Schutz des Labs beteiligen. Schon jetzt steht regelmäßig ein Polizeitransporter vor dem Pfefferberg. Sie hatten erklärt, eine kulturelle Veranstaltung wie das Lab könne nicht unter Polizeischutz stattfinden. Deshalb wurde der Standort Kreuzberg wieder aufgegeben. Was ist jetzt anders?

Wenn jemand eine Präsentation im Lab macht, möchte ich nicht, dass die Besucher das Gefühl haben, sie sind von Polizei umringt. Wenn eine Baustelle oder ein Gebäude bewacht wird, ist das etwas anderes. Das machen die Behörden, egal, ob wir sie darum bitten oder nicht. Ich finde es schade und langsam ermüdend, dass so viel von diesen Dingen geredet wird. Das ist nicht im Sinne des Lab und gehört auch nicht zu meinem Job.

Dann lassen Sie uns über BMW reden.

Gerne, wenn es der Versachlichung der Debatte dient…

BMW steht im Fokus der Lab-Gegner. Sie finden, der Konzern sei wegen der umstrittenen Vergangenheit der Eigentümerfamilie Quandt der falsche Partner für das Lab. Was entgegnen Sie auf diese Kritik?

Dieses Thema wird in den Medien völlig überdreht. Nicht nur in den USA ist es absolut normal, einen Partner für Kulturprojekte zu haben. BMW sponsert auch andere Aktivitäten in Berlin, etwa die Berlinale. Warum steht ausgerechnet das Lab in der Kritik? Was ist der Grund dafür, dass ausgerechnet das Lab der Funke war, an dem sich die Diskussion um die Vergangenheit von BMW erneut entzündet hat? Für mich persönlich ist das wirklich schwer nachvollziehbar. Ich bin dankbar, dass mein Projekt finanziert ist.

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