Berlin : Guru spielt gratis

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Ein unvergessliches Konzertereignis versprechen die Plakate, noch verheißungsvoller lesen sich die Flugblätter. Der „Maestro Sri Chinmoy“, der mit „spiritueller Kraft“ und „sphärischen Klängen auf Echoflöte unmittelbar das Herz des Zuhörers“ erreichen will, tourt durch Deutschland. Heute macht er Station in Berlin. Im ICC erwartet Sri Chinmoy ab 20 Uhr bei freiem Eintritt seine Zuhörer. Dann wird er abwechselnd mit Sitar, Piano, Synthesizer und anderen Instrumenten weite Klangteppiche ausbreiten. Für die einen ist seine Musik banal und langweilig. Für die anderen ist sie perfekt, heilsam und schön.

„Eine schlimme GuruBewegung“, sagt Thomas Gandow, Sektenbeauftragter der Evangelischen Landeskirche, „Sri Chinmoy versteht sich nicht nur als spiritueller Lehrer, er sieht sich als Erscheinung des Gottes Brahma und lässt zu sich meditieren.“ 1931 in Indien geboren, sammele er ab 1967 in den USA Schüler und gründete seine Bewegung. Seit Mitte der 70er Jahre missioniere er in Europa. Weltweit zähle er 7000 Anhänger. Gandow: „Chinmoy verlangt Gehorsam und erreicht dadurch ein psychisches Abhängigkeitssyndrom.“

„Stimmt nicht“, hält Axel Gressenich dagegen. Ehrenamtlich betreibt er die Öffentlichkeitsarbeit für die derzeit etwa 250 Meditationsschüler von Sri Chinmoy in Deutschland. „Wir bieten einen seriösen Meditationsweg an“, erklärt er. „Unser Weg setzt genau umgekehrt eine gefestigte, unabhängige Persönlichkeit voraus.“ Die Senatsbildungsverwaltung will gegen das Konzert nichts unternehmen: „Wir wissen, dass Sri Chinmoy eine merkwürdige Organisation ist“, sagt Sprecher Kenneth Frisse, „aber er verstößt nicht gegen das Grundgesetz.“

Beim ICC rechnet man mit 5000 Gästen. So viele Karten wurden verteilt. svs

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