Berlin : Gut ab- und aufgelegt beim Civis-Medienpreis

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Krawatte und Anzugjacke zog Miroslav Nemec schon nach dem ersten Lied aus. Mit seiner Band rockte der Münchner Tatort-Kommissar am Mittwochabend auf der Bühne des blau angestrahlten E-Werks in Mitte. Förmliche Kleidung war da fehl am Platz. Öffentlich-rechtliche Medienprominenz entspannte sich auf der Tanzfläche von der etwas steiferen Verleihung des Civis-Medienpreises.

Mit Smoking und Fliege stand Nemec einige Stunden zuvor noch mit Moderatorin Sandra Maischberger im Auswärtigen Amt auf der Bühne. Dort verlieh die ARD in sieben Kategorien den „Oscar fürs multikulturelle Europa“ (Maischberger) an Programme, die sich beispielhaft mit Integration und kultureller Vielfalt in Europa beschäftigen. Nemec sitzt in der Jury, war mit dem Tatort selbst einmal Preisträger und übergab einen Preis.

Was unterstützt Integration besser – Musik oder Filme? „Musik ist eine Infusion, die direkt ins Blut geht“, meint Nemec, „Sprache nimmt den Umweg durch den Kopf in die Seele“. 1:0 für die Musik.

Überraschung des Abends war der doppelte Preis für die RTL II-Dokumentation „Das Experiment. 30 Tage Moslem“. Autorin Silke Pollmeier erhielt den Europäischen und den Deutschen Civis-Fernsehpreis in der Kategorie Unterhaltung. Moderatorin Sandra Maischberger findet das bemerkenswert. „Ich weiß nicht, ob RTL II schon jemals einen seriösen Preis gewonnen hat, aber die Dokumentation war es wert.“ Schauspielerin und Jury-Vorsitzende Suzanne von Borsody gibt zu: „Wir waren mutig!“ WDR-Intendant Fritz Pleitgen befand, dass es „ein Musterbeispiel gelebter Integration“ sei, dass er als „Öffentlich-Rechtlicher“ den Preis an ein privates Programm überreiche. Geglückte Integration, wenn auch nur im Kleinen. Was in der Einwanderungsgesellschaft noch nicht rund läuft, zeigen ja die preisgekrönten Filme. dos

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