Berlin : Gut angekommen

CDU-Kulturexpertin Grütters im Bundestag: Neu und doch für ihre Partei schon ministrabel

Werner van Bebber

Wer was werden will in der Politik, muss schweigen können. Deshalb sagt Monika Grütters schlichtweg gar nichts zu den Spekulationen, sie könne Kulturstaatsministerin unter der Kanzlerin Angela Merkel werden. Sie sagt nichts zu Hoffnungen oder Erwartungen oder Gesprächen oder Zeitpunkten, an denen Personalentscheidungen getroffen werden. Monika Grütters kann schweigen, wenn es besser ist, und sie kann reden, wenn es der Sache dient.

Oder besser: den Sachen. Kultur und Wissenschaft waren ihre Angelegenheit in der Berliner CDU-Fraktion, und Monika Grütters hat darüber nicht nur oft viel zu sagen gehabt, sie hat auch immer freiwillig und deutlich zwischen der Sache und dem parteipolitischen Umgang damit unterschieden. So heißt es über sie auch in Thomas Flierls Kulturverwaltung, Grütters sei nun wirklich „keine Ideologin“.

Dabei merkt man Grütters bei jedem der kultur- und wissenschaftspolitischen Großthemen an, dass ihr beides viel bedeutet. Vehement hat sie deshalb gegen die rot-rote Sparpolitik an den Universitäten agitiert. Was der Senat hier vorhat, ist für Monika Grütters das Gegenteil einer zukunftsträchtigen Politik: Durch die Hochschulverträge würden die Universitäten dazu gezwungen, bis 2009 mehr als 10000 Studienplätze zu vernichten. Das in einer Stadt, deren Regierender Bürgermeister die Jugend der Welt hier haben will und deren Potenziale vor allem in der Wissenschaft und in der Kultur liegen. Da geht Monika Grütters so weit, dem Senat vorzuhalten, er „versündige“ sich an der Jugend.

Der scheinbar altmodisch formulierte Vorwurf – „versündigen!“ – wird weder den Regierenden Bürgermeister noch den Kultursenator treffen. Er sagt aber etwas über das, was Monika Grütters wichtig ist. Man gewinnt nichts in Berlin, wenn man sich zum Glauben bekennt. Aber für Monika Grütters, die aus Münster stammt, ist der Glaube wichtig – so wichtig, dass sie sich einmal im Jahr für ein paar Tage ins Kloster zurückzieht.

Das hat nichts mit pathetischem Lebensernst zu tun. Monika Grütters lacht gern und viel, und sie hat erkennbar große Freude an ihrer Arbeit, die viel mit Kunst und Kultur zu tun hat. Kunstgeschichte – die hat sie in Bonn studiert – ist kein Fach für griesgrämige Leute, und wenn Grütters über ihre Ausstellungsprojekte im Max-Liebermann-Haus direkt neben dem Brandenburger Tor spricht, spürt man ihre Begeisterung. Kunst ist schön, macht viel Arbeit und viel Freude, dann zumal, wenn alles zusammen- passt: ein guter Job als Vorstand bei der Stiftung der Landesbank – für die macht Monika Grütters die Kulturarbeit. Dazu die Honorar-Professur als Dozentin für Kulturmanagement an einem Institut der Freien Universität. Jetzt ist sie Bundestagsabgeordnete und sitzt in der Arbeitsgruppe der Koalitionsunterhändler für Kultur.

Dass sie zu denen gehört, mit denen Angela Merkel gewisse Themen bespricht, gehört zu dem nie dementierten Gerüchtegewebe, das einen in der Politik „ins Gespräch“ bringt. Es würde passen, zumal Grütters in der Berliner CDU zu den offensten Geistern gehört. Für das Abgeordnetenhaus hatte sie Klaus Landowsky rekrutiert – sie hat danach nicht schlecht über ihn geredet, auch als das populär wurde.

Dass sie nicht unbedingt mit Landeschef Ingo Schmitt Karriere machen wollte, hat sie vor der Bundestagswahl deutlich gemacht. Die Liberale, die von der schwarz-grünen Option immer etwas gehalten hat, verzichtete auf Konkurrenz zu Schmitt in Charlottenburg-Wilmersdorf und ging für die CDU in den mittleren Osten, nach Marzahn-Hellersdorf. Sie kandidierte auf dem ersten Platz der Landesliste. Für Monika Grütters war die Desasterwahl am 18. September der Karrierebeschleuniger.

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