Berlin : Gut gebaggert

Noch eine Dienstreise – diese ging nach Brasilien: Sportsenator Klaus Böger holte die Beachvolleyball-WM 2005 nach Berlin

Felix Meininghaus

Klaus Böger zögerte nicht lange. Gern folgte der Senator der Fotografenbitte, auf dem sandigen Boden der Copacabana einen Volleyball in die Hand zu nehmen und mit Ary Graca, Präsident des brasilianischen Volleyball-Verbandes, ein wenig zu spielen. Bei den Übungen am Strand waren keine technischen Kabinettstückchen zu erwarten, aber was der Sport- und Bildungssenator bot, zeugte von einem gewissen Fingerspitzengefühl. Andere Politiker haben da schon wesentlich schlechter ausgesehen. Man erinnere sich an die unbeholfenen Elfmeterversuche, bei denen sich Ex-Kanzler Kohl beinahe die Zunge abgebissen hätte.

Böger hat sich auch später, als die Fahne des Volleyball-Weltverbandes FIVB an ihn, den deutschen Verbandschef Werner von Moltke und das deutsche Männernationalteam Ahmann/Hager weitergereicht wurde, geschickt in Szene gesetzt: „Obrigado Rio y bem vinidos a Berlin!“ – Danke Rio und herzlich willkommen in Berlin. Sieben Worte reichten, um das brasilianische Publikum zum Jubeln zu bringen. Damit ist klar, was schon seit zwei Wochen als Absichtserklärung besteht: Die Beachvolleyball-Weltmeisterschaften 2005 werden in der deutschen Hauptstadt ausgetragen.

Götz Moser, Vizepräsident Sport im Deutschen Volleyball-Verband (DVV), beziffert das Budget für eine solche Großveranstaltung mit rund zwei Millionen Euro, allein 800 000 Euro müssen an Preisgeld bereitgestellt werden. Eine Menge Holz für den nicht eben betuchten DVV, wobei der Berliner Senat einen erklecklichen Obolus dazusteuern wird. 400 000 Euro hatte Berlin für das diesjährige Grand-Slam-Turnier in diesem Jahr gegeben. „Nageln Sie mich jetzt nicht fest“, sagt Böger. „Aber gehen Sie mal davon aus, dass bei einer WM noch was oben drauf kommt.“

Das Geld, so die Überzeugung des Senators, ist gut angelegt: „Beachvolleyball ist jung, attraktiv und hat hohe Sympathiewerte. Da können wir viel für das Image unserer Stadt tun.“ Vor allem, wenn Fernsehbilder von einem unverwechselbaren Spielort in die Welt gesendet werden. Das mit Abstand Beste, was Berlin in dieser Hinsicht zu bieten hat, ist das Brandenburger Tor. Dass dort Sand aufgeschüttet und gebaggert wird, hält Böger indes „eher für unwahrscheinlich“. Es sein denn, die Olympischen Spiele in Athen gäben einen riesigen Push für Beachvolleyball. „Dann können wir über das Brandenburger Tor noch mal nachdenken.“

Eher wird aber auf dem Schloßplatz geschmettert werden. Das ist zwar weniger attraktiv, doch laut Böger „eine historisch bedeutungsvolle Spielstätte im Herzen der Stadt“. Überhaupt werde die WM in Berlin ganz anders aussehen als die in Rio: „Was Wembley den Fußballern bedeutet, ist Rio für die Beachvolleyballer“, hat Böger erfahren: „Wir können nicht die Copacabana nach Berlin holen, aber wir haben auch unsere Qualitäten.“

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