Berlin : Gut gelaufen

Sonnenschein und Superstimmung: Mehr als eine Million Zuschauer an der Strecke machten den Marathon zum Volksfest

Christoph Stollowsky

Dieser Berlin-Marathon schlug alle Rekorde: noch mehr Läufer, Skater, Walker, Rollstuhlsportler und Handbiker als in den vergangenen Jahren, noch mehr jubelndes Publikum am Straßenrand, ein himmlisches Wetter und Volksfeststimmung in der ganzen Innenstadt. Weit mehr als eine Million Zuschauer feuerten die Athleten nach Schätzungen der Veranstalter an, insgesamt waren am Wochenende rund 58000 Sportler aus 103 Ländern unterwegs, davon alleine am Sonntag fast 50 000 einschließlich der 9312 Schüler beim Mini-Marathon. Das erforderte auch vom Organisationsteam und der Polizei Höchstleistungen. Und es klappte alles bestens: Die Verkehrssituation drumherum war entspannt, die Sanitäter an der 42 Kilometer langen Strecke durch die City zwischen Mitte, Neukölln, Kreuzberg, Steglitz und Tiergarten hatten ungewohnt wenig zu tun. Laut Polizei mussten sie sich nur um 50 Läufer mit leichten Schwächeanfällen kümmern.

Der Siegeszug des 1974 erstmals gestarteten Berlin-Marathons scheint unaufhaltsam zu sein. Die Veranstaltung an der Spree gehört zu den größten und beliebtesten Marathon-Läufen weltweit und zählt inzwischen zu den „Big Five“ – neben Berlin sind das noch New York, Boston, Chicago und London.

Die „tolle Stimmung des Publikums“ gaben viele Läufer auch diesmal als Grund an, die perfekte Organisation des Sportclubs Charlottenburg (SCC) und die attraktive Strecke – vorbei an Sehenswürdigkeiten wie Reichstag, Unter den Linden oder dem Alex und schließlich das Brandenburger Tor : Alle Teilnehmer durchquerten es kurz vor der Ziellinie.

Beflügelnd wirkt auch die Vielfalt des Berlin-Marathons mit besonderen Wettbewerben für Skater, Walker, Rollstuhlfahrer, Handbiker sowie dem Mini-Marathon für Kinder und Jugendliche und einem gemütlichen Familien-Frühstückslauf vom Schloss Charlottenburg zum Olympiastadion. Vor allem der Skater-Marathon einen Tag vor dem Start der Läufer gilt inzwischen weltweit als Saisonhöhepunkt. So rollten am vergangenen Sonnabend bereits mehr als 8000 Inline-Freunde aus 48 Ländern los. Sie wurden von 300000 Zuschauern angefeuert.

Spannend bis zur letzten Sekunde war auch in diesem Jahr das Finish der Profis. Als der Kenianer Philip Manyim mit der Bestzeit von 2 Stunden, 7 Minuten und 41 Sekunden glücklich lachend am Tor durchs Ziel lief, toste der Jubel über den Pariser Platz. Und auch die schnellste Läuferin, die Japanerin Mizuki Noguchi, erhielt einen gewaltigen Applaus.

An der Strecke dampften die Bratwurststände, schwebten Luftballons in den blauen Himmel, kurbelten Drehorgelspieler, als müssten sie gleichfalls ihre Kondition beweisen. So fühlten sich auch die Schausteller und Straßenhändler als Marathon-Gewinner, ebenso wie Hotels, Restaurants und Geschäfte, denen das Sport-Event Geld in die Kasse brachte. Doch Verlierer gab es ohnehin nicht. Selbst die Langsamsten fühlten sich als Gewinner: Haupsache mitgemacht.

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