Berlin : Gut gemischt ist halb betrunken

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Wo steckt sie nur, die „junge, erlebnisorientierte Zielgruppe“. Auf der Love Parade? Die Bierbrauer von Schultheiss hoffen das. Pünktlich zum Aufmarsch der Liebenden am Wochenende bringen sie „Schwatz“ heraus. Das ist Schwarzbier mit Cola und Guarana. „Schwatz“, in der schwarzen Longneck-Flasche („ein kleines Designstück für sich“, sagen die Produktmanager) will die „innovationsfreudigen Verbraucher“ erreichen. Die hopsen erst die Paradestrecke entlang und benetzen dann ihre trockenen Kehlen mit dem neuen, schwarzen Gebräu. So jedenfalls erhoffen es sich die Produktmanager.

Aber „Schwatz“ ist etwas spät dran. Mittlerweile gibt es eine Menge Alkohol-Mix-Getränke. Allein an die 100 Bier-Cola-Mischungen – Premixes genannt – haben den Markt überflutet. Nachdem 1993 das Biersteuergesetz gefallen war, konnten die Brauereien endlich durchstarten. Zuvor war es nur erlaubt „vor den Augen des Gastes“ ein Bier zu mixen. „Mixery“ (Karlsberg) war 1996 eines der ersten fertigen Bier-Cola-Mix-Getränke auf dem Markt. Die Zielgruppe: jung, partyfreudig, neugierig. Die Produkt-Manager hatten zuvor herausgefunden, dass Bier-Cola-Mixe von „szeneorientiertem Publikum als sehr trendy“ eingeschätzt werden. Sie boten das Getränk in Clubs und Kneipen sowie im Umfeld der Love Parade oder der Mayday an, und schon klingelten die Kassen. „Die deutschen Brauereien kämpfen derzeit mit rückläufigem Bierkonsum“, sagt Jens Winnemann, Produktmanager bei Karlsberg. „Aber die Verkaufszahlen der Biermischgetränke nehmen zu.“ 550 000 Hektoliter „Mixery“ pro Jahr flössen in die Kehlen des jungen Party-Publikums. Andere Brauereien zogen nach – in immer neuen Varianten. Die einen nehmen Altbier und Cola (z.B. „Dimix“), die anderen Pils und Cola (z.B. „Licher X2“). Seit kurzem wird Bier sogar mit Energy-Drinks kombiniert.

Auch Bier-plus-Tequila-Mischungen, bekannt als „Desperados“ (Karlsberg), sind in der Club-Szene beliebt. Die machen mit 5,9 Prozent Alkohol schneller blau. Bei „Desperados“ sei der Film, der im Kopf ablaufe, ein anderer als bei den Cola-Mischungen, glaubt Winnemann: „Wilder, erotisch aufgeladen“.

Der Bier-Mix-Trend ist auch den Spirituosen-Herstellern nicht entgangen. Erst seit gut einem Jahr auf dem Markt ist „Rigo“ (Bacardi). Rum, Limettenaroma und Soda, ein durchsichtiger Mix. 10 Millionen Flaschen setzten die Hersteller im ersten Geschäftsjahr ab. „Ein leichtes, unkonventionelles Lebensgefühl“ soll er beim Konsumenten wecken, sagt Tanja Knott, PR–Managerin bei Bacardi.

Dass die Mix-Möglichkeiten in Kürze erschöpft sein könnten, glaubt Weinwissenschaftler Erik Schweickert nicht. Ein Prosecco-Energy-Drink-Mix ist in der Testphase – mit integriertem Strohhalm. Und auch Getränke in Dosen, die sich von selbst kühlen (oder nach Wunsch erwärmen). Die Love Parade ist also auch künftig gut für Experimente. tabu

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