Berlin : Gut versorgt in den Ruhestand

Wohnungsbaugesellschaft Mitte zahlt hohe Versicherungsbeiträge für Ex-Chef

Ralf Schönball

Der Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) steht neuer Ärger ins Haus. Mehr als ein Jahr nach Ausscheiden des früheren Geschäftsführers Karl-Heinz Schmidt musste das Unternehmen noch einmal einen Betrag in Höhe von rund 160000 Euro für dessen Alterversorgung an eine Versicherungsgesellschaft überweisen. Strittig ist dieser Vorgang deshalb, weil die WBM bereits vor etwa einem Jahr, als der Manager mit einer Abfindung aus dem Unternehmen ausgeschieden war, eine ähnlich hohe Summe an die Versorgungskasse überweisen musste. Nun wird nach einer Erklärung für diese zweimal gezahlten Versorgungsbeiträge von Schmidt gesucht.

Die Wellen schlagen deshalb hoch, weil im Zusammenhang mit der Überweisung des Geldes an die Versicherung der Name von Schmidts Ehefrau auftaucht. Diese hatte einige Jahre ebenfalls bei der WBM gearbeitet, war jedoch nicht Mitglied der Geschäftsführung. In den Genuss dieser Versorgungskasse, deren Beiträge von der WBM bezahlt werden müssen, kommen sonst aber nur die Unternehmenslenker. Deshalb war die hohe Rechnung der Versicherung zugunsten der längst ausgeschiedenen früheren Mitarbeiterin bei dem finanziell angeschlagenen Unternehmen aufgefallen.

„Meine Frau hat keinen eigenen Vertrag zur Altersversorgung erhalten“, sagte Schmidt auf Nachfrage des Tagesspiegels. Er habe auch keine Erklärung dafür, warum für die Ausstattung seiner Versicherung mit Geldern aus der WBM zweimal sechsstellige Beträge fällig geworden seien. Schmidts Frau und auch das gemeinsame Kind erhalten eine Rente im Falle seines eigenen Todes.

Diese „Hinterbliebenenversorgung“ ist jedoch ohnehin Teil der privaten Versicherungsverträge von Geschäftsführern. Eine gesonderte Vereinbarung – zur Absicherung von Schmidts zweiter Ehefrau und dessen gemeinsamen Kindes – hätte es dazu also nicht gebraucht.

Doch es gab eine entsprechende Vereinbarung, die mit dem damaligen Aufsichtsratschef Knut Fischer und der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung abgeschlossen wurde. Dies bestätigt auch Karl-Heinz Schmidt auf Nachfrage: „Der Vertrag ist in der zuständigen Abteilung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung geprüft worden“, sagt der frühere Manager. Es sei darum gegangen, die eigenen Versorgungsbezüge um fünf Prozent anzuheben und außerdem Ehefrau und Kind in den Vertrag aufzunehmen. Die Regelung sei vom Senat genehmigt worden.

Schmidt war selbst viele Jahre in der Senatsbauverwaltung beschäftigt und hat dort aus dieser Zeit noch gute Kontakte. Der frühere Angestellte war im Jahr 1991 zur WBM gewechselt und hatte dort die Geschäfte bis Anfang 2004 geführt. Nachdem die Firma in Schwierigkeiten geraten war, schied Schmidt im Einvernehmen aus. Senat und WBM wollten sich zu den Vorgängen nicht äußern.

Die WBM gilt mit einem Minus von 56 Millionen Euro als hauptverantwortlich für das Defizit der sechs landeseigenen Wohnungsbauunternehmen. Deren Verluste beliefen sich im Jahr 2004 auf 46,8 Millionen Euro, nach einem Plus von 31 Millionen Euro im Jahr 2003. Die Firmen beschäftigen 4000 Mitarbeiter und bewirtschaften 280 000 Wohnungen. In Senatskreisen reagiert man besorgt auf die Entwicklung.

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