Berlin : Gut versteckt

Gerd Nowakowski

Journalisten werden ja oftmals gerne als Fachleute für das Halbwissen gescholten: Alles schon mal gehört, aber von nichts eine Ahnung. Der „Kongress des Halbwissens“, der heute im Maxim-Gorki-Theater stattfindet (siehe Seite 9), wäre deshalb als probate Fortbildungsveranstaltung einzustufen. Möglicherweise auch für die Sicherheitsbehörden dieser Stadt. Die wissen nämlich immer noch nicht, wo am Sonntag der NPD-Landesparteitag stattfindet. Sagen sie zumindest. Für den Grünen-Fraktionschef Volker Ratzmann belegt das erneut, wie überflüssig und unnütz der Verfassungsschutz ist. Leider haben wir keinen V-Mann im NPD-Vorstand sitzen, sagt bedauernd Innensenator Ehrhart Körting (Seite 12). So weit sind wir schon gekommen – nur um nicht noch einmal bei einem eventuellen NPD-Verbot zu scheitern. Im Ernst: Wissen wäre im Fall der NPD weit besser als Halbwissen. Es braucht freilich den Verfassungsschutz wirklich nicht, um zu wissen, dass es sich bei den Rechtsextremen um eine äußerst unappetitliche Truppe handelt. Gut, dass die NPD sich und ihren Tagungsort in der Stadt verstecken muss. Es zeigt, dass die NPD schon weiß, wie unerwünscht sie hier ist. Viele Berliner werden ihr das sicher gerne persönlich zeigen wollen. Ganz ohne Verfassungsschutz.

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